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Mecklenburg-Vorpommern

21. Oktober 2017 | 16:16 Uhr

Rehna : Großer Preis für kleine Tischlerei

vom

Die Tischlerei Eigenstetter aus dem nordwestmecklenburgischen Rehna wurde für die Entwicklung eines Roboters mit einem Innovationspreis ausgezeichnet

svz.de von
erstellt am 03.Jun.2014 | 07:30 Uhr

Der Startknopf ist gedrückt. Durch eine Scheibe beobachtet Martin Eigenstetter,  wie sein Roboter den Arm hinüber zum Werkzeughalter schwingt. Selbstständig wählt die Maschine das passende Werkzeug aus, schwingt hinüber zu einem Holzstück und beginnt zu rotieren. Späne fliegen durch die Luft und binnen Minuten formt der Roboter den eckigen Klotz zu einem runden Teller. „Wir haben die Maschine geplant und programmiert und dennoch staune ich jedes Mal wieder über das Ergebnis aus drei Jahren Entwicklung“, sagt

Martin Eigenstetter, der den Roboter gemeinsam mit dem Team der Tischlerei seines Vaters im nordwestmecklenburgischen Rehna entwickelte.

Die Fachleute nennen es Fünf-Achs-Simultanbearbeitung. Der Roboter ist in der Lage, unterschiedlichste Werkstoffe in komplizierte Formen zu bringen, die bislang für Tischler nur mit ganz viel Aufwand und Geschick umsetzbar waren. Eines der bislang größten Projekte war vor einigen Wochen eine Wendeltreppe eines alten Schlosses. Stundenlang entstanden die Zeichnungen der Bauteile am Computer, die der Roboter anschließend fräste.

Diese Innovation überzeugte kürzlich auch die Fachleute des Zentralen Innovationsprogrammes Mittelstand (ZIM) und des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin, wo der Roboter der Tischlerei Eigenstetter den mit 3000 Euro dotierten ZIM-Preis 2014 in der Sonderkategorie Handwerk erhielt.

Die Idee entstand 2011. Martin Eigenstetter kam auf die Idee, dass ein Bearbeitungszentrum auf Roboterbasis für die Tischlerei seines Vaters umsetzbar sein könnte. Doch ohne Förderung würde eine solches Projekt für das kleine Unternehmen zu Risikoreich sein.

Die Umsetzung schien den Experten für eine kleine Tischlerei zunächst zu komplex. Doch mit der Unterstützung von Kai Berg, Unternehmensberater ATI Küste in Rostock, bekam der 32-Jährige die nötige Förderung des Bundes zugesprochen. „Uns wurden rund 100000 Euro Personalkosten erstattet“, sagt Martin Eigenstetter, der mit seinem Team neun Monate für die Planung der Roboterzelle, bestehend aus Roboter, Spindel, Spanntischen, Vakuumerzeugung, Steuerung, aufbrachte.

Es entstanden Zeichnungen und 3D-Modelle, Roboterbewegungen wurden am Computer simuliert und ein Systemintegrator baute die passende Steuerung. Glücklicherweise entwickelte sich zur gleichen Zeit auch die Software schnell weiter und bot neue Möglichkeiten.

Lange habe er nicht gewusst, ob seine Idee praktisch funktionieren würde. Entscheidend sei die Teamleistung gewesen: „Ohne das Wissen der Tischler wäre es nicht gegangen. Oft dachte ich, dass es in der Theorie gehen müsse, doch die Handwerker wiesen mich auf praktische Tücken hin. Entstanden ist eine 60 Quadratmeter große Zelle, die die Möglichkeiten des 28 Jahre alten Unternehmens enorm erweiterte.

Künftig soll der Roboter auch genutzt werden, um anderen Firmen Teile zu liefern. „Die Vielfalt ist enorm. Während herkömmliche Bearbeitungszentren üblicherweise nur bis in Höhen von bis zu 30 Zentimeter arbeiten können, erreichen wir Höhen von bis zu zwei Metern“, sagt Martin Eigenstetter stolz und ergänzt: „Ich halte es für wahrscheinlich, dass in Zukunft roboterbasierte Bearbeitungszentren auch in einigen kleinen Unternehmen herkömmliche Bearbeitungszentren ergänzen werden.“

Was ist das ZIM?

Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) ist ein bundesweites, technologie- und branchenoffenes Förderprogramm für mittelständische Unternehmen und mit diesen zusammenarbeitende wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen. Seit 2008 bietet es mittelständischen Unternehmen bis Ende 2014 Perspektiven zur Unterstützung ihrer Innovationsbemühungen.

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