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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 06:55 Uhr

Projekt in Rostock : Großer Freund Balu

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Projekt des Malteser Hilfsdienstes in Rostock schenkt Kindern Zeit und Zuwendung

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2016 | 08:00 Uhr

„Jedes Kind kann einen großen Freund brauchen“, ist Peter Wolf überzeugt. „Viele haben auch einen, oft sogar mehrere – aber eben nicht alle.“ An diese Kinder wendet sich das Projekt „Balu und Du“, das es bundesweit mittlerweile in mehr als 60 Orten gibt. Neben Schwerin und Wismar gehört in Mecklenburg-Vorpommern Rostock dazu, wo Peter Wolf beim Malteser Hilfsdienst dieses besondere Patenschaftsprogramm koordiniert.

Als Namensgeber für das Projekt fungieren Figuren aus Rudyard Kiplings Dschungelbuch-Erzählungen. Ein Balu, ein junger Erwachsener zwischen 18 und 30 Jahren, übernimmt für mindestens ein Jahr eine Patenschaft über ein Kind im Grundschulalter, seinen Mogli. Ziel ist es, die Kinder durch persönliche Zuwendung und aktive Freizeitgestaltung in ihrer Entwicklung voranzubringen, ihnen zu zeigen, wie sich große und kleine Herausforderungen des Alltags meistern lassen, so Peter Wolf. Dazu treffen sich beide mindestens einmal wöchentlich.

Alexander Gehm und sein Mogli Leon spielen dann zum Beispiel gerne miteinander Schach. Dabei, so Leons Balu, lernt der Junge sich zu konzentrieren und strategisch zu denken. Er lernt aber auch, mit Niederlagen umzugehen . Der 21-jährige Student kümmert sich schon fast ein Jahr lang um den Neunjährigen, der zusammen mit seinen beiden jüngeren Geschwistern allein von seiner Mutter erzogen wird. Die kann ihrem Ältesten nicht immer so viel Aufmerksamkeit widmen, wie er gerne hätte. Alexander Gehm dagegen ist bei ihren regelmäßigen Treffen allein für Leon da.

„Die Kinder, um die sich unsere Balus kümmern, haben ganz unterschiedliche Hintergründe“, erzählt Peter Wolf. Ein Junge, dessen Vater verstorben ist, gehöre ebenso dazu wie ein anderer, der mit seiner psychisch kranken Mutter zusammenlebt. Andere sind neu zugezogen oder haben Eltern, die in Schichten arbeiten und deshalb nur eingeschränkt Zeit für die Familie haben. Theoretisch, so der Koordinator, könnten diese Eltern sich direkt an „Balu und Du“ wenden und um Unterstützung für ihre Kinder bitten. Tatsächlich aber seien es überwiegend Schulsozialarbeiter, die den Kontakt vermittelten. Eltern befürchteten offenbar eine Stigmatisierung oder hätten Angst, dass Informationen über ihre Familienverhältnisse zum Beispiel ans Jugendamt gelangten. Das sei aber nicht der Fall, betont Peter Wolf. „Und unsere Balus sind auch keine Ersatz-Mütter oder -Väter, die sich in die Familien drängen.“ Es sei seine Aufgabe als Projektkoordinator, das zu überwachen. Wöchentlich würde er sich deshalb mit den Balus treffen, die zudem ein Projekt-Tagebuch führen. Bundesweit werde „Balu und Du“ zudem wissenschaftlich begleitet. Erste Ergebnisse zeigten beispielsweise, dass überdurchschnittlich viele Moglis nach der Grundschule ans Gymnasium wechseln. „Unser Projekt hilft den Kindern, neue Talente zu wecken und ihr Selbstwertgefühl zu fördern“, betont Wolf.

Während es in Schwerin in erster Linie Auszubildende und junge Berufstätige aus dem sozialen Bereich sind, die sich als Balus engagieren, sind es in Rostock vor allem Studenten. Künftige Lehrer – sie machen das Gros aus – können sich die Mitarbeit im Projekt als Sozialpraktikum anerkennen lassen. Dass das aber nicht der Hauptgrund für ihr Engagement ist, zeigt sich daran, dass viele Balus und Moglis auch nach der einjährigen Projektphase miteinander in Kontakt blieben.

Momentan gibt es in Rostock 15 „Balu und Du“-Paare. Gerade am vorletzten Wochenende gab es ein Einführungsseminar für weitere Balus. Wer also noch einen großen Freund braucht – Peter Wolf könnte den Kontakt herstellen.

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