zur Navigation springen

Serie: Jung in MV : Große Sprünge in die Tiefe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rostocker Schülerin auf dem Weg zu Olympia: Ihre Motivation kommt aus der Freude am Sport

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Ende der 1980er-Jahre war der Norden der DDR das Gebiet mit der jüngsten Bevölkerung. Seit der Wende hat sich diese Statistik komplett umgekehrt. In MV leben nun die nahezu ältesten Menschen Deutschlands. In unserer Serie wollen wir zeigen, dass es junge Menschen gibt, die sich bewusst für den Nordosten entscheiden. Die hier Chancen sehen, die andere nicht gesehen haben.

Ungefähr mit sieben Jahren sprang Saskia Oettinghaus das erste Mal ins tiefe Wasser der Rostocker Neptun-Schwimmhalle – und nicht nur vom Beckenrand. „Mit dem Wasserspringen muss man so früh beginnen“, sagt sie. „Wenn man später anfängt, ist man ja nicht mehr so beweglich.“ Schwimmen konnte sie als Erstklässlerin schon, als ein Trainer vom Wassersportclub Rostock (WSC) sie entdeckte und zum Probetraining einlud.

„Meine Mutter fand es am Anfang nicht so gut“, erinnert sich Saskia. „Sie hat da gearbeitet, wo wir wohnen, nämlich zwischen Rostock und Bad Doberan. Und nun musste sie mich immerzu hin und her fahren: von der Schule zum Training, wieder zurück zur Arbeit, dann wieder mich abholen. Aber mir hat es viel Spaß gemacht – und das ist bis heute so.“ Und so unterstützte Mama Oettinghaus ihre Tochter nach Kräften.

Schon etwa ab der dritten Klasse sind die jungen Springer im Leistungssport-Modus. Viermal pro Woche war Saskia in der Halle. Seit der 5. Klasse besucht sie das Rostocker Christophorus-Gymnasium, wo viele junge Leistungssportler gefördert werden. Der WSC ist bis heute Saskias sportliche Heimat. Alltags pendelt sie praktisch zwischen Schule und Schwimmhalle, die nur wenige hundert Meter auseinander liegen. Manchmal hat sie vor dem ersten Klingeln schon anderthalb oder zwei Stunden trainiert. Und nach dem Unterricht ist sie jeden Tag im Wasser.

„Es ist eine Sportart, in der man enorm viel üben muss, aber man gewöhnt sich dran“, sagt Saskia. „Ich wollte schon als kleines Kind unbedingt zu Olympia. Und das ist nun hoffentlich bald soweit – ich arbeite auf Tokio 2020 hin.“ In den vergangenen Jahren startete sie bereits bei internationalen Wettkämpfen, siegte 2015 im Synchronspringen bei den Europaspielen in Baku, im Einzel vom Drei-Meter-Brett erkämpfte sie die Bronzemedaille.

Ihr Training besteht aus einer guten Stunde Erwärmung, Rollen, Salti und anderen Elementen in der Turnhalle. Drehungen lassen sich gut auf dem Trampolin üben, durch spezielles Krafttraining verbessert sich die Sprungkraft. Und dazu kommen Klimmzüge, Liegestütze – „Standard eben“, sagt Saskia. Und danach geht es noch für ein bis zwei Stunden ins Wasser.

Jeder der Wettkampfsprünge ist wie eine kleine Choreographie, die Sportler und Trainer gemeinsam festlegen. Und dabei werden sie von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. „Eine unserer Trainerinnen hatte vor Jahren einen bestimmten Sprung als erste Frau überhaupt ausgeführt – heutzutage machen wir den in der fünften Klasse“, erzählt Saskia. „Irgendwann muss es aber eine Grenze geben, vom Zehn-Meter-Turm schafft man eben nicht mehr als viereinhalb Drehungen. Die Strecke wird nicht länger, und man kann auch nicht langsamer fliegen, nur schneller drehen.“

Nach dem täglichen Training warten noch die Hausaufgaben. „Man muss fleißig sein, sonst klappt es nicht“, sagt die 18-Jährige. „Aber die Schule unterstützt uns. Wenn wir wegen Wettkämpfen fehlen, bekommen wir Aufgaben mit, die später kontrolliert werden. Oder die Lehrer setzen sich noch mal mit uns zusammen.“

Ihre Motivation kommt aus der Freude am Sport. „Ich bin nach wie vor begeistert dabei – das kommt bei mir von allein. Das ist nicht bei allen so, aber für mich ist es das Leben.“ In diesem Sommer macht Saskia ihr Abitur und möchte dann studieren, vielleicht etwas in medizinischer Richtung. Aber hauptsächlich möchte sie weiter elegant ins Wasser springen – am liebsten noch zehn Jahre lang.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen