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Malaysia übernimmt Werften in MV : Große Pläne für große Schiffe

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Malaysisches Schiffbau-Engagement schürt Hoffnung. Vor knapp einem halben Jahr hat Genting-Gruppe drei Werften in MV übernommen

svz.de von
erstellt am 28.Sep.2016 | 20:45 Uhr

Die Schiffbauer in Mecklenburg-Vorpommern haben in den vergangenen 25 Jahren viel erlebt. Gut ein Dutzend Eigner weckten anfangs Hoffnung, schafften auch Aufträge heran und verabschiedeten sich dann doch wieder. Von Vulkan bis Nordic reicht die Liste der Namen, unter denen die Werften im Nordosten firmierten.

Nun gehören die drei größten Schiffbaubetriebe des Landes zum Milliarden schweren Genting-Konzern aus Malaysia und nennen sich MV Werften. Genting will in Wismar, Rostock und Stralsund Kreuzfahrtschiffe bauen, riesengroße darunter. Groß ist auch wieder die Hoffnung der Schiffbauer – und der Regierung in Schwerin, die schon so manche Werftenkrise samt Millionenverlusten bewältigen musste.

„Es ist doch ein gutes Zeichen, wenn der Regierungschef aus dem Heimatland der neuen Besitzer schon wenige Monate nach dem Kauf zu uns kommt und sich die Werften anschaut“, betont Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Genting habe zudem sofort investiert und den Bau von Schiffen in Auftrag gegeben. Investitionszusagen und Verträge lägen vor. „Das alles stimmt mich recht zuversichtlich“, sagt Sellering gestern in Wismar. Zuvor hatte er in Schwerin Malaysias Premierminister Najib Razak zu einem Gespräch empfangen und mit ihm dann die Werft in Wismar besucht.

Das Kaufangebot von Genting im Frühjahr war so etwas wie der Rettungsring für die drei ehemaligen Nordic-Werften. Die hochfliegenden Pläne des russischen Eigners Vitali Jussufow waren am Russland-Embargo gescheitert. Und der Bau von Plattformen für Windparks auf See hatte sich als wenig profitabel erwiesen. Rund 240 Millionen Euro zahlte der malaysische Multikonzern nach eigenen Angaben für die drei Werften, die zuvor mit Milliardenaufwand modernisiert worden waren. 160 Millionen sollen nun noch investiert werden, um sie fit zu machen für den Bau „der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt“, wie Premierminister Najib Razak mehrfach betont. Im kommenden Jahr soll mit der Fertigung 340 Meter langer Schiffe begonnen werden, die gerade noch in das Trockendock von Wismar passen. Dort liegen derzeit die ersten Segmente für zwei wesentlich kleinere Flusskreuzfahrt-schiffe.

Schiffbauer Uwe Mund, der vom Rand des riesigen Trockendocks aus den Besuch der hochkarätigen Politikerdelegation verfolgt, teilt den Optimismus Sellerings. „Das, was Genting hier machen will, hört sich plausibel an und es gibt Hoffnung“ sagt er. Seit gut 35 Jahren baut Mund in Wismar Schiffe und vor den neuen Herausforderungen sei ihm nicht bange. „Wir haben immer gezeigt, dass wir was können“, sagt er selbstbewusst.

Ähnlich sieht es Schiffbauingenieur Mirko Schünemann. Dass sich die Werft – wie zuvor Stralsund bei der Umstellung auf den Bau von Fährschiffen – an den großen Kreuzfahrtschiffen verheben könnte, die Gefahr sehe er nicht. „Wir haben schon für Aida Schiffe gebaut und der Auftraggeber war damals sehr zufrieden. Erfahrung ist also da und wir haben auch genügend Zeit, um die Planungen vernünftig voranzubringen“, betont Schünemann.

Viele Schiffbauer, die wegen der lange mageren Auftragslage in Leiharbeitsfirmen unterkamen, hoffen nun auf eine Rückkehr auf die Werft. In den kommenden drei Jahren will Genting die Belegschaft an allen drei Standorten auf 3000 Beschäftigte verdoppeln. Wenn die Produktion richtig angelaufen ist. Derzeit gilt für eine ganze Reihe der Werftmitarbeiter aber noch Kurzarbeit.

Sellering ist sich mit Najib Razak dennoch einig, dass die nun begonnene Zusammenarbeit von beiderseitigem Vorteil ist. „Der Einstieg von Genting ist ein kraftvoller Neustart für die Werften, die über eine hochmotivierte Belegschaft verfügen“, sagt der Schweriner Regierungschef. „Ich glaube an eine gute Entwicklung der Werften, die gut ist für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und gut für Malaysias führendes Unternehmen“, betont Razak. Zwölf Schiffe würden in den kommenden Jahren gebaut werden und Genting in die Lage versetzen, seine Position auf dem rasant wachsenden Markt der Kreuzschifffahrt auszubauen.

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