11 000 bei Warnstreik im öffentlichen Dienst : Großdemo legt Schweriner Innenstadt lahm

<strong>Tausende tummelten</strong> sich gestern vor der Schweriner Staatskanzlei. <fotos>Reinhard Klawitter</fotos>
Tausende tummelten sich gestern vor der Schweriner Staatskanzlei. Reinhard Klawitter

Tausende Kundgebungsteilnehmer drängten sich mit Fahnen, Transparenten und Luftballons, Trillerpfeifen und Ratschen vor der Staatskanzlei in Schwerin. Sie wollen mehr Geld und eine Entgeltordnung für Lehrer.

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06. März 2013, 08:25 Uhr

Schwerin | Eine Großdemo hat gestern Vormittag für Aufsehen gesorgt: Mehrere tausend Lehrer aus dem ganzen Land traten für einen Tag in den Warnstreik. "Wir wollen 6,5 Prozent mehr Lohn", betonte Anka-Sybille Obermaier, Schulleiterin der IGS Wismar. Das sei eine Forderung der Lehrer. Gemeinsam mit Polizisten, Feuerwehrleuten und anderen Angestellten aus dem öffentlichen Dienst trafen sie sich zu einer zentralen Kundgebung in der Landeshauptstadt.

Insgesamt zogen laut Angabe der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) rund 11 000 Demonstranten - der Großteil davon Lehrer - vor die Schweriner Staatskanzlei. "Es ist die größte Demo von Lehrern, die hier je stattgefunden hat", so ein Gewerkschaftssprecher. Durch den großen Zulauf war die Schweriner Innenstadt im Bereich obere Werderstraße, Alter Garten und Schloßstraße für mehr als zwei Stunden dicht: Passanten mussten sich durch die dichte Menschenmenge drängen; Autos konnten höchstens Schritttempo fahren.

Ausgestattet mit Trillerpfeifen, Krachmachern und Sirenen taten die Demonstranten lautstark ihre Forderungen kund: unter anderem 6,5 Prozent mehr Lohn und ein einheitlicher Tarif für Lehrer. "Wir erhoffen uns, dass durch den Streik der Bund und vor allem auch das Land zu Verhandlungen zu bewegen sind", betonte Christel Költzow, Lehrerin an der Beruflichen Schule für Wirtschaft und Verwaltung in Schwerin. Heute gehen die Verhandlungen um den Tarif für den öffentlichen Dienst in den Ländern in Postdam in die entscheidende Runde. Mit dem Streik wollten die Lehrer deshalb ihren Forderungen einen Tag vor Verhandlungsbeginn Nachdruck verleihen.

"Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit", forderte auch Heike Kemsies, Bio- und Chemielehrerin an der Regionalen Schule "J. W.v. Goethe" in Parchim. Hier - und an vielen anderen Schulen - würden Lehrer trotz gleichem Hochschulabschluss nach unterschiedlichen Tarifen bezahlt. Die Entlohnung der Lehrer dürfe sich nicht nach Schulzweig oder Alter der Schüler unterscheiden, betonte auch Annett Lindner, Landesvorsitzende der GEW bei der öffentlichen Kundgebung. Lehrkräfte bräuchten genauso wie andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst einen Tarifvertrag, der ihre Eingruppierungen regele. Auf eine Reaktion von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) warteten die Demonstranten auf der Kundgebung vergeblich. Finanzministerin Heike Polzin (SPD) ging indes auf die Forderungen nach mehr Gehalt ein. Sie betonte, dass es im Sektor seit 2006 eine Lohnsteigerung von 6,8 Prozent gegeben habe. Dennoch ermahnte sie die Teilnehmer: "Ich habe noch von keiner Gewerkschaft gehört, dass sie in Zeiten von Steuereinbrüchen auch mal Verzicht übt."

Die Finanzministerin erinnerte die streikenden Lehrer zudem: "Schließlich sorgen wir auch in schlechten Zeiten dafür, dass ihr Gehalt pünktlich kommt." Für den Ausgang der Tarifverhandlungen stellte Polzin "ein angemessenes Ergebnis" in Aussicht. Dass dieses nicht im Einklang mit den geforderten 6,5 Prozent stehen wird, ließ sie durchblicken. So sollen die Ergebnisse der Verhandlungen "uns nicht auf den griechischen Weg bringen und auch morgen noch das bezahlen lassen, was wir heute beschließen!" Neben den Forderungen nach mehr Lohn und einheitlicher Bezahlung standen weitere Punkte auf der Streikagenda. So verlangte GEW-Vorsitzende Annett Lindner: "Finger weg von der Urlaubsregelung!" Planmäßig sollen die Urlaubstage auf 26 gekürzt werden.

Auch wünschen sich die Beschäftigten eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Hinblick auf den demografischen Wandel. "Das Durchschnittsalter der Lehrer liegt bei uns bei 55 Jahren", berichtete Heike Kemsies von der Parchimer Goetheschule. In den letzten 15 Jahren hätte es bei ihnen nur eine Referendarin gegeben. Der Lehrerberuf müsse für Jüngere wieder attraktiv werden, forderte sie.

Auf der anderen Seite machten die Streikenden darauf aufmerksam, dass auch mehr auf ältere Lehrer eingegangen werden muss. Der Spruch auf einem Streikbanner dazu hieß: "Altersteilzeit statt Rollator für den Unterricht!"

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