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Windpark „Baltic 2“ : Großbaustelle auf hoher See

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

32 Kilometer vor Rügen baut der Energiekonzern EnBW einen Mega-Windpark mit 80 Rotoren / Jetzt wurden die ersten Anlagen installiert

Mit 23 Knoten steuert Kapitän Tony Wenzel die „Sure Partner“ durch fast ein Meter hohe Wellen zum Baufeld des Windparks „Baltic 2“. Anderthalb Stunden braucht der knapp 2000 PS starke Hochgeschwindigkeitskatamaran vom Hafen Sassnitz zum Offshore-Feld 32 Kilometer nordöstlich von Rügen. Er bringt Monteure, Ingenieure oder auch Ladung an den Industriestandort auf hoher See.

Dort, wo in einem dreiviertel Jahr 80 Windräder Strom erzeugen sollen, gleicht die Ostsee einer Großbaustelle: Elf Schiffe mit insgesamt 100 Mann-Besatzung sind vor Ort: Zwei  Installationsschiffe, Transportschiffe, ein Kabelschiff, Schlepper sowie die beiden Schwimmkräne „Rambiz“ und „Goliath“ bewegen sich durch das Baufeld, das mit den gelben Fundamenten, die knapp aus der Wasseroberfläche ragen, einem riesigen Schachbrett gleicht.

Das Installationsschiff „Vidar“ hat sich mit seinen vier Spinnenfüßen fest auf dem mehr als 30 Meter tiefen Untergrund der Ostsee festgekrallt. Am Dienstag hat die Crew von Bord des schwimmenden Megaschiffs aus die erste knapp 140 Meter hohe Windpark-Anlage mit Turm, Gondel und Rotorblättern auf dem Fundament installiert. Gestern folgte die zweite.

Zwei Wochen mussten die Mannschaften auf besseres Wetter mit weniger Wind warten. Jetzt – bei einer Windgeschwindigkeit von 10 Meter je Sekunde –stimmen die Bedingungen für die Montage. „Wir hoffen, bis Sonntag durcharbeiten zu können“, sagt Projektleiter Stefan Wallenmaier vom Energiekonzern EnBW. „Im August hatten wir eine extreme Starkwindphase.“ Hinderlich bei der Montage. „Für den späteren Betrieb ist das natürlich toll.“

Die Bauarbeiten für Offshore-Windparks gelten in der Ostsee als anspruchsvoll. Für jede der 80 Anlagen mussten die Fundamente einzeln konzipiert und konstruiert werden. Zwar stehen die Windparks nicht so weit von der Küste entfernt wie in der Nordsee. Aber statt mit einheitlichem Sandboden hatten es die Planer am Standort von „Baltic 2“ mit unterschiedlichen Baugründen zu tun: Geschiebemergel, Ton und Kreide. „In Wassertiefen von 23 bis 35 Meter wurden als Fundamente sogenannte  Monopiles gesetzt“, erklärt Wallenmaier. 39 der 80 Rotoren werden auf diese tief in den Ostseeboden gerammten Pfahlfundamente gesetzt.

Diese Fundamente  sind bereits im Boden verankert. In größeren Wassertiefen von bis zu 44 Meter werden die Türme auf sogenannten Jackets – eine Art Dreibein – verankert, von denen inzwischen fünf im Wasser stehen. Jeder Tag, an dem wegen des starken Windes auf hoher See nicht gearbeitet werden kann, kostet EnBW einer Sprecherin zufolge einen sechsstelligen Euro-Betrag. Statistiken gehen für September von durchschnittlich acht bis zehn dieser Starkwindtage aus. „Doch die Realität sieht manchmal anders aus“, sagt Wallenmaier mit Blick auf das unbeständige Augustwetter.

Bis Frühjahr 2015 sollen die letzten der 80 Anlagen gesetzt sein, dann soll der Windpark ans Netz gehen. Mit einer Leistung von 288 Megawatt und einem jährlichen Ertrag von 1,2 Milliarden Kilowattstunden soll er dann 340 000 Haushalte mit Strom versorgen – fast siebenmal mehr als der Pilotwindpark „Baltic 1“ vor dem Darß.

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