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Redefin : Großartige Sinfonie in der Reithalle

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Aus der Onlineredaktion

Picknick, Pferdeshow mit Römerwagen und junge Weltstars: Das letzte Konzert der Festspiele MV begeisterte das Publikum in Redefin.

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2017 | 20:30 Uhr

Sonniges Spätsommerwetter lag am Sonnabend über Redefin zum letzten Konzert der Festspiele MV dieser Saison in der großen Reithalle des Landgestüts. Nachmittags wie üblich Picknick auf ausgebreiteten Decken oder an reichlich gedeckten Tischen. Später große Pferdeshow mit einem Höhepunkt, der lange nicht mehr gezeigt worden ist: der vierspännige Römerwagen mit einem kriegerisch kostümierten Wagenlenker. Kurz vor Ende des Parcours folgten ihm die Pferde nicht mehr und brachen aus dem Ring. Dennoch eine Attraktion! Die Zeit der an Ascot erinnernden großen Sommerhüte aber scheint vorbei. Nur ein Paar fiel auf, sie mit großem Sonnenhut, er mit einer Art roter Melone.

Das Konzert, um das es eigentlich ging, vereinte gleich mehrere junge Weltstars. Zu Beginn spielte Daniel Müller-Schott das Violoncellokonzert a-Moll von Schumann, begleitet vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Karina Canellakis. Der Cellist hat sich in den vielen Jahren seiner Preisträgerschaft bei den Festspielen zu einem reifen Künstler entwickelt. Nach einem kurzen Moment der Sammlung spielte er mit höchster Konzentration und gelöstem Spiel zugleich. Sein Ton entstand dabei aus breitem Bogenstrich mit bleibender Intensität im Forte wie im Piano.

Ausgelassene Stimmung auf dem Rasen zwischen Landstallmeisterhaus und Reithalle.
Ausgelassene Stimmung auf dem Rasen zwischen Landstallmeisterhaus und Reithalle. Foto: Hirschmann
 

Danach erklang ein weiteres Solokonzert, das Klavierkonzert a-Moll von Edvard Grieg mit der Solistin Alice Sara Ott. Ihr barfüßiger Auftritt war zunächst auffällig, blieb aber schnell eine Nebensache. Sie löste die Aufgaben, die der Solopart ihr stellte, bravourös, schaute aber oft ins Publikum, als müsse sie sich ihrer Wirkung versichern. Der am tiefsten dringende Eindruck ging dabei von ihrem sublimen Fingerspiel in zartem Piano aus, besonders im ruhigen Mittelsatz. Während das donnernde Fortissimo der Akkordpassagen und Oktavgänge zuweilen leicht überzogen und aufgesetzt wirkte. Als kleines Bonbon trafen sich beide Solisten anschließend zur Vocalise für Cello und Klavier von Sergej Rachmaninow.

Nach der Pause des etwa dreistündigen Konzertes erklang noch die 7. Sinfonie A-Dur von Beethoven. Hier konnte man bestens die Zusammenarbeit des Orchesters mit der amerikanischen Dirigentin studieren. Die zuvor als hervorragende Geigerin bekannt gewordene Karina Canellakis führte die Musiker mit klaren und präzisen Bewegungen, die geradezu studentisch anmuteten. Aber in ihrer individuellen Ausprägung trafen sie genau den Kern ihrer Absichten. Die stellten einen ganz besonderen Beethoven vor, gelöst und voller Spielfreude bis in das volltönende Fortissimo hinein, ohne jede Art von Verbissenheit. So folgte einem geheimnisvollen 2. Satz ein rasantes Scherzo, das quasi aus dem Handgelenk dirigiert immer leichtfüßig blieb, wie auch das Finale mit reinster Lust am wilden Spiel. Für diese großartige Beethoven-Interpretation dankte das Publikum mit anhaltenden Beifallsstürmen.

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