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Vorwürfe gegen die Universitätsmedizin : Greifswalder Rosinenpickerei?

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Die Kassenärztliche Vereinigung MV ktitisiert, dass sich die Greifswalder Universität nur in ausgewählten Bereichen engagiere. Wo es ihr selbst nichts nützt, würde sich die Universitätsmedizin dagegen zurückhalten.

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erstellt am 27.Mär.2012 | 09:59 Uhr

Greifswald/Schwerin | Das Institut für Community Medicine der Universität Greifswald hat einen Ruf, der weit über das Land hinausreicht. Die Wissenschaftler analysieren nicht nur - wie jüngst in Bezug auf die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Ostvorpommern - wo Handlungsbedarf besteht. Sie zeigen auch Lösungswege auf und entwickeln Modelle für das Gesundheitswesen der Zukunft.

Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Mecklenburg-Vorpommerns, Dr. Dieter Kreye, meint allerdings: "Ein festgestellter Bedarf ist immer nur da für die Greifswalder Universität wichtig, wo sie sich selbst einbringen kann - beispielsweise in der Kinderchirurgie, wo die Greifswalder jetzt auch Sprechstunden in Anklam und Pasewalk anbieten." Wo es ihr selbst nichts nützt, würde sich die Universitätsmedizin der Hansestadt dagegen zurückhalten. "So konstatiert die Community Medicine zwar einen Hausärztemangel im Land - in Greifswald selbst werden aber gerade einmal zwei junge Ärzte zu Allgemeinmedizinern weitergebildet. In Rostock sind es dagegen 15", kritisiert der KV-Vize.

"Das klingt ja fast so, als ob die Forschung zur regionalen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern (Mit-)Ursache des Hausarztmangels in unserem Bundesland sei", empört sich Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann vom Institut für Community Medicine. Er mutmaßt, dass das Schimpfen auf die Forschung von eigenen Problemen ablenken soll, "denn für die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung ist die KV zuständig". Greifswald engagiere sich seit Jahren für die Allgemeinmedizin, betont der Wissenschaftler. Seit Ende des vergangenen Jahres gebe es sogar einen eigenen Lehrstuhl und eine selbstständige Abteilung für Allgemeinmedizin.

Inhaber dieses Lehrstuhls ist Prof. Jean-Francoise Chenot. Er bestätigt, dass die reinen Zahlen des KV-Vizes stimmen: "In Rostock stehen jeweils für einen Drei-Jahres-Zeitraum 15 Weiterbildungsstellen zu Allgemeinmedizinern zur Verfügung, hier in Greifswald sind es gegenwärtig für den gleichen Zeitraum nur zwei, bis vor Kurzem war es sogar nur eine Stelle." Allerding seien über eine Verbundausbildung weitere Weiterbildungsstellen in Sicht: "Wir sind gerade dabei, einen Vertrag mit dem Krankenhaus in Grimmen zu schließen. Einer unserer Weiterbildungsassistenten wird dann dorthin gehen - und hier wird dadurch eine Stelle für einen dritten künftigen Allgemeinmediziner frei."

Dass ausgerechnet die KV die beiden Unikliniken des Landes hinsichtlich der Allgemeinmediziner-Weiterbildung vergleicht, hält Prof. Chenot für problematisch. Denn während der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Greifswald aus eigenen Mitteln der Universität finanziert wird, gibt es in Rostock bereits seit einigen Jahren eine Stiftungsprofessur - die von der KV gefördert wird. Beide Lehrstuhl-Inhaber würden aber konstruktiv zusammenarbeiten - für das gemeinsame Ziel, mehr junge Mediziner für den Beruf des Hausarztes zu interessieren.

Auch der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft des Landes (KGMV), Wolfgang Gagzow, kann die Kritik des Kassenärzte-Funktionärs nicht nachvollziehen: "Mecklenburg-Vorpommern ist bei der Weiterbildung von Hausärzten Tabellenführer", betont er. "Sämtliche Krankenhäuser, die dazu in der Lage sind, bilden auch weiter, dazu kommen mehr als ein Dutzend Reha-Kliniken, die sich an der Allgemeinmediziner-Weiterbildung beteiligen. Das ist bundesweit einmalig." Zwar gäbe es tatsächlich regionale Unterschiede, aber in der Gesamtheit gesehen müsse nicht an noch mehr Kapazitäten gearbeitet werden. Zumal: "Die Krankenhäuser im Land haben selbst einen enormen Bedarf an Fachärzten. Allgemeinmediziner, die sie weiterbilden, bilden sie in jedem Fall über den eigenen Bedarf hinaus, sozusagen für die Konkurrenz, aus."

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