Heimatloses Schiff : „Greif“ überwintert im Rostocker Stadthafen

 
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Foto: Stefan Sauer

Erstmals überwintert das Flaggschiff der Hansestadt Greifswald nicht in seinem Heimathafen. Nach dem Schiffs-TÜV auf der Volkswerft steuert die „Greif“ nach Rostock. Ob sie zurückkehren kann, ist ungewiss.

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12. November 2015, 20:00 Uhr

Wegen der Querelen um das Sperrwerk und eine versandete Zufahrt wird das Greifswalder Segelschulschiff „Greif“ in diesem Jahr nicht in seinem Heimathafen überwintern. Das Schiff, das derzeit zum TÜV auf der Stralsunder Volkswerft liegt, wird danach - voraussichtlich am 24. November - direkt den Stadthafen Rostock anlaufen und überwintern. „Wir wissen nicht, ob wir im April in Greifswald auftakeln werden“, sagte der Erste Offizier Roland Hunscha am Donnerstag.

Das Flaggschiff der Stadt konnte wegen der Probleme am Hafen erstmals in diesem Herbst nicht in seinem Heimathafen abgetakelt werden. Die „Greif“ steuerte Ende Oktober direkt nach der letzten Fahrt die Volkswerft an, wo zunächst Segel eingeholt und Masten und Taue abgebaut wurden und dann die Klassifizierung durch den Germanischen Lloyd begonnen hatte.

Die Stadt hat inzwischen die versandete und vom Wasser- und Schifffahrtsamt für die „Greif“ gesperrte Zufahrt zu deren Liegeplatz nachpeilen lassen. Mit einer Tiefe von 3,50 Metern plus sind die Probleme offenbar nicht so groß wie anfangs befürchtet. „Die pauschalen Einschränkungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes sind nach vorläufiger Einschätzung der Stadt auf Grund der sehr detaillierten Peilung des gesamten Bereiches in diesem Umfang nicht gerechtfertigt“, sagte eine Stadtsprecherin. Die Stadt habe die Behörde gebeten, die Interpretation der Peilung und die Schärfe der Anordnung zu überdenken.

Die Schifffahrtsbehörde sieht das Ansinnen der Stadt allerdings skeptisch. „Wir werden wohl bei der Tiefe von drei Meter bleiben müssen“, sagte Amtsleiter Holger Brydda. Er beruft sich dabei auf ein Schreiben aus dem Bundesverkehrsministerium, demzufolge die Hafenzufahrt des Rycks in die Kategorisierung der sonstigen Bundeswasserstraßen fällt, in denen nur noch sporadisch gebaggert wird. Am 23. November trifft sich Brydda mit dem Greifswalder Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) zu einem Krisengipfel.

Im Jahr 2013 wurden die Bundeswasserstraßen bundesweit nach ihrer verkehrlichen Wichtigkeit kategorisiert. Danach sind in Mecklenburg-Vorpommern lediglich die Wasserstraßen nach Rostock in die bedeutende A-Kategorie aufgenommen. In der B-Kategorie ist Mecklenburg-Vorpommern nicht vertreten. In die C-Kategorie wurden die Ostansteuerung Stralsund und der Nördliche Peenestrom aufgenommen.

Alle anderen Wasserwege würden unter der Kategorie „sonstige“ aufgeführt, für die nur sporadisch Finanzmittel zur Verfügung stünden.

Eine Lösung deutet sich hingegen für die „Greif“ bei der Durchfahrtstiefe durch das Greifswalder Sperrwerk an. Wegen zu hoher Spüldüsen kann das Schiff derzeit nur bei Hochwasser durch das Bauwerk. Wie der Leiter des zuständigen Staatlichen Amtes für Umwelt und Landwirtschaft, Matthias Wolters, Ende September angekündigt hatte, sollen noch vor Inbetriebnahme des Sperrwerks im Frühjahr die Spüldüsen am Segment ausgetauscht werden.

Ein weiteres Problem ist die ungewisse Finanzierung: Erstmals in diesem Jahr muss die Stadt den Jahresverlust der „Greif“ in Höhe von 296 000 Euro ausgleichen. Seit dem vergangenen Jahr sind die Rücklagen des See- und Tauchsportzentrums aufgebraucht, mit denen die Verluste ausgeglichen wurden. Durch eine bessere Vermarktung soll das Schiff in den kommenden Jahren wirtschaftlicher betrieben werden.

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