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Neubrandenburg : Grausiges Puzzle am Tollensesee

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Die Tat war blutig, die Aufklärung ist nicht weniger grausig. Immer wieder tragen Polizisten Leichenteile in blauen Plastiktüten davon. Seit dem Neujahrstag wird am und im Tollensesee nach Leichenteilen gesucht.

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erstellt am 05.Jan.2012 | 06:51 Uhr

Neubrandenburg | Die Tat war blutig, die Aufklärung ist nicht weniger grausig. Immer wieder tragen Polizisten einzelne Leichenteile in blauen Plastiktüten davon. Seit dem Neujahrstag wird am und im Tollensesee bei Neubrandenburg nach Leichenteilen gesucht.

Nachdem Passanten am Rad- und Wanderweg erste Körperteile einer toten Frau entdeckten, suchen zeitweise bis zu 100 Frauen und Männer die Uferbereiche des elf Kilometer langen Sees ab. Zwar wurden weitere Körperteile gefunden, doch auf die Täter gibt es keine Hinweise. "Es gibt noch keine heiße Spur", räumt Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler gestern ein. Es ist ein Mord-Puzzle, denn erst Teile der Leiche wurden gefunden. "Wir konnten zwar Fingerabdrücke nehmen, aber da gab es keinen Treffer", sagt Zeisler: "Solch einen Fall hatte ich in meinen 30 Jahren als Staatsanwalt noch nie."

Am Augustabad in Neubrandenburg, wo der Wind die Wellen ans Ufer peitscht, ist der Fall das Hauptgesprächsthema. "Die Polizisten sind gerade wieder weg", sagt eine junge Kellnerin im Seerestaurant. In blaue Plastiktüten verpackt hätten die Polizisten mehrere Körperteile abtransportiert. Aus dem Lokal heraus kann man das Nordufer und die Kirche im Zentrum sehen - und auch fast alle Fundorte. Die Ermittler fragen sich vor allem, wo warfen der oder die Mörder die Körperteile ins Wasser und warum.

Experten, wie der Stralsunder Gerichtspsychiater Stefan Orlob, halten das kriminelle Milieu für den wahrscheinlichsten Hintergrund. "In den meisten Fällen versuchen Täter so zu verhindern, dass die Identität der Opfer bekannt wird", sagte Orlob. Wenn etwa eine osteuropäische Frau aus dem Rotlichtmilieu verschwinde und in ihrer Heimat keiner wisse, wo sie eigentlich war, sei das schwer aufzuklären.

Gerade weil solche grausamen Zerstückelungen selten sind, sprechen sich die Neubrandenburger inzwischen auch mit Kollegen aus anderen Bundesländern ab. "Wir stehen mit Leipzig und mit Hannover in Verbindung", sagt Zeisler. In Leipzig waren Ende 2011 Körperteile eines 23-jährigen Mannes in einem Flutbecken des Elsterflusses gefunden worden. Erst am Wochenende wurde ein weiteres Körperteil entdeckt. Der Mord ist ebenfalls noch nicht geklärt. In Niedersachsen gab es mehrere Fälle zerstückelter Leichen in den letzten zwei Jahren, die sich aber größtenteils als Beziehungstaten entpuppten.


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