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Tourismus vs. Naturschutz : Gratwanderung im Nationalpark

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vorpommersche Boddenlandschaft zwischen Ruhebedürfnis und Tourismus

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist von den Vorgaben des deutschen Naturschutzgesetzes noch ein großes Stück entfernt. Laut Gesetz müssen 50 Prozent der Fläche absolut nutzungsfrei sein, wie der Leiter des Nationalparkamts, Gernot Haffner, vor dem Nationalparktag am Sonnabend in Wieck am Darß sagte.

Auf dieser Fläche müsse die Naturdynamik gewährleistet sein. „Wir sind heute bei 15 Prozent. Da haben wir noch richtig zu tun.“ Aber das Erreichen der Nutzungsfreiheit sei ein stetiger Prozess.

Im Moment sei der Status noch der eines Entwicklungsnationalparks. Es gebe keine gesetzlich festgelegte Frist, zu der das 50-Prozent-Ziel erreicht sein muss. „Man spricht von 30 Jahren, das wäre das Jahr 2020. Das wird für uns nicht ausreichen“, sagte Haffner. Hintergrund sei, dass bei der Gründung des Nationalparks 1990 weite Teile der Landschaft erst aus der Nutzung herausgenommen wurden.

Deutliche Defizite bei der Nutzungsfreiheit gebe es noch bei der Gewässernutzung. Es sei ihm aber ein zentrales Anliegen, dass die Umwidmung der Flächen hin zum Nationalpark gemeinsam etwa mit dem Berufsstand der Fischer gelingt.

Bis 2020 solle die Nutzungsfreiheit der ausgewiesenen Kernzonen erreicht sein, betonte Haffner. Das seien 17,3 Prozent der Gesamtfläche. Er hofft, dass bis dahin das Dauerproblem Nothafen Darßer Ort mit der ständigen Ausbaggerung der Hafenzufahrt beseitigt sein wird. Dann könne auch mit der Renaturierung des Hafenbeckens begonnen werden.

Prerows Bürgermeister René Roloff (parteilos) ist zuversichtlich, dass nach den jahrzehntelangen Querelen um den Nothafen 2020 der neue Inselhafen eröffnet werden kann. Die Gemeindevertreter haben jüngst einen Katalog verabschiedet mit verschiedenen Wünschen an den Hafen. „Wir müssen dafür eine Machbarkeitsstudie haben“, betonte Roloff.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), der das Projekt Inselhafen im vergangenen Jahr persönlich vorangetrieben hat, habe die Finanzierung der Studie zugesagt.

Der Nationalpark blicke aktuell auf eine sehr gute touristische Saison zurück. Wegen des Besucheransturms hätten teilweise Sonderführungen eingerichtet werden müssen. Sorgen bereite jedoch die hohe Zahl von Störungen im Schutzgebiet durch Besucher. In diesem Jahr seien schon 400 Störungen geahndet worden, sagte Haffner. Bei den meisten Verstößen handele es sich um Befahren und Betreten von gesperrten Bereichen in den Kernzonen oder Campen etwa am Weststrand. Bei Verstößen könnten teils empfindliche Bußgelder fällig werden.

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