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Klinikclowns in Schwerin trainieren das Lustigsein : Grandios gescheitert

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Grandios scheitern - das Ziel des zweitätigen Trainings, das vier Schweriner Klinikclowns an diesem Wochenende absolvieren. Ines Vowinkel (Clown Fine) hatte die Idee, für die Gruppe eine Fortbildung zu organisieren.

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erstellt am 10.Jun.2011 | 06:49 Uhr

Schwerin | Zur Seite zeigen, aufstampfen, Arme verschränken. Marina Vowinkel und Heike Heldt stehen sich gegenüber und versuchen, diese drei Gesten im Wechsel zu wiederholen und dabei im Rhythmus zu bleiben. Eine Koordinationsübung, die volle Konzentration erfordert. Mit großer Ernsthaftigkeit sind die beiden Frauen bei der Sache, obwohl sie immer mal wieder durcheinander kommen. Grund zur Kritik? Im Gegenteil: Clown-Trainer Reinhard Horstkotte spendet Lob. "Nur wer ernsthaft in ein Spiel geht, kann so scheitern, dass andere darüber lachen müssen", erklärt der künstlerischer Leiter von "Rote Nasen Deutschland - Clowns im Krankenhaus" den Sinn der Übung. Denn: "Es gibt nichts Schlimmeres als einen Clown, der lustig sein will."

Freude in bedrückenden Momenten spenden

Grandios scheitern - das ist das Ziel des zweitätigen Trainings, das vier Schweriner Klinikclowns an diesem Wochenende absolvieren. Ines Vowinkel alias "Clown Fine" hatte die Idee, für die Gruppe eine professionelle Fortbildung zu organisieren. Unterstützung fand sie bei der Stiftung "Humor hilft heilen" und beim deutschen Dachverband der Clowns für Kinder im Krankenhaus, der mehrere Hospitationen und das Training finanziert hat. "Wir wollten neue Anregungen für unsere Clown-Visiten erhalten und unsere gemeinsamen Auftritte verbessern", sagt die 44-jährige Musikpädagogin.

Im Vordergrund des Trainings steht dann auch das Partnerspiel, denn Klinik clowns sind in der Regel zu zweit unterwegs. "Wenn die Situation im Krankenhaus bedrückend ist, müssen die Clowns im Zusammenspiel die Kraft finden, Fröhlichkeit zu verbreiten", weiß Horstkotte. Regel Nummer Eins lautet deshalb: den Partner unterstützen. "Für den Zuschauer wird der Auftritt interessant, wenn sich die Clowns einig sind - gerade wenn die Sache selbst absurd erscheint." Wenn einer der beiden Clowns eine vermeintliche Schwäche zeigt und trotzdem bedingungslosen Zuspruch erfährt, dann ist das genau das Gefühl, das den kranken Kindern vermittelt werden soll. "Wir bringen Freundschaft in die Welt", bringt Horstkotte die Motivation auf den Punkt. Die Clowns möchten Momente schenken, in denen Krankheit und Leid in den Hintergund treten und Freude und Lebendigkeit Platz machen.

Ein Herz so weich wie Wolle

"Als Klinik-Clown muss man anders auftreten als auf der Bühne", weiß auch Katharina Glüer. Die 44-Jährige arbeitet an einer Schule für Körperbehinderte. Beim Clown-Training möchte sie vor allem Handwerkszeug lernen, sagt sie. Deshalb gibt es an diesem Wochenende auch konkrete Tipps. So lassen sich Sorgen mit einem Fingerschnipp in einer Plastiktüte versenken. Ein Kind, das mit einer Hand in eine Jonglage eingebunden wird, vergisst, dass ihm am anderen Arm gerade Blut abgenommen wird. Und eine Fantasiegeschichte verwandelt ein tristes Krankenzimmer in ein buntes Abenteuerland. "Im Krankenhaus brauchen Clowns sowohl eine hohe menschliche Integrität als auch eine hohe künstlerische Qualität", meint Reinhard Horstkotte. Ein guter Clown habe ohnehin ein Herz, das "weich ist wie Wolle". Fantasie lasse sich dagegen trainieren wie ein Muskel.

Lustigsein ist harte Arbeit. Das ist auch den Kursteilnehmerinnen bewusst. Doch sie wissen auch: Wer richtig scheitert, hat schon gewonnen.

Kontaktdaten Spenden

Wer fröhliche Momente für kranke Kinder in der Schweriner Kinderklinik spenden möchte, kann dies unter folgendem Spendenkonto tun: Verein zur Förderung der Kinderklinik des Klinikums Schwerin e.V., Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, BLZ 14 05 20 00, Kontonummer 306 555 000, Verwendungszweck „Klinik - Clown“.

Die Klinik-Clowns treten auf Wunsch auch in Senioreneinrichtungen auf. Sie suchen zudem noch (männliche) Verstärkung. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.clown-fine.de.

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