Schloss Bothmer : Grafensitz in neuem Glanz

Die Zeit drängt. Mit Hochdruck arbeiten Handwerker an der Grundsanierung des Gebäudes, davon allein 1500 m² neue Holzdielen.
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Die Zeit drängt. Mit Hochdruck arbeiten Handwerker an der Grundsanierung des Gebäudes, davon allein 1500 m² neue Holzdielen.

Wiedereröffnung von Schloss Bothmer zu Pfingsten / Ausstellung, Museum, Café und Restaurant sollen Besucher locken

svz.de von
08. April 2015, 20:00 Uhr

Noch haben die Bauleute das Sagen: Im Schloss Bothmer von Klütz unweit der Ostseeküste wird im Akkord gestrichen und poliert, gesägt, gehämmert und gegärtnert. Mecklenburg-Vorpommerns größtes Barock-Ensemble soll am Pfingstsamstag (23. Mai) feierlich wiedereröffnet werden. Haupthaus und Ostflügel des 1726 bis 1732 errichteten Grafensitzes zwischen Lübeck und Wismar seien dann vollendet, der Westflügel werde bis Jahresende fertiggestellt, sagt Projektleiter Steffen Siefert vom Betrieb für Bau und Liegenschaften.

Ein Novum in dem alten Landsitz sei eine moderne Ausstellung, erklärt Kunsthistorikerin Silke Kreibich. Bei einem Rundgang durch 22 wiederhergerichtete Wohn- und Repräsentationsräume könne der Besucher sich umfassend über Leben und Wirken des einstigen Schlossbauherren Hans Caspar von Bothmer (1656-1732) informieren. Auf Wandbespannungen, die barocken Textiltapeten nachempfunden seien, gebe es Historie und Geschichten der Familie von Bothmer zu lesen.

Der Auftraggeber für das Anwesen von Klütz, Reichsgraf Bothmer, stand als Diplomat in Diensten der hannoverschen Kurfürsten und späteren englischen Könige. In London lebte Bothmer von 1720 an im Haus 10 Downing Street. Die heutige Dienstwohnung des englischen Premierministers hieß früher sogar „Bothmar House“. Vermögend war der Graf ,,nicht nur durch Aktien-, Korn- und Pferdehandel, sondern ebenso dank reichlich fließender Schmiergelder“, erklärt Silke Kreibich .

Von 1721 an steckte Bothmer sein Geld in Mecklenburger Ländereien, darunter als wertvollstes Investment das Schloss im Hinterland der Ostseeküste. In seinem prachtvollen mecklenburgischen Alterssitz spiegelt sich laut Kreibich seine durch das Reisen entdeckte Vorliebe für englische und holländische Architektur. Geplant wurde das riesige Gebäudeensemble von Architekt Friedrich Künnecke. Bothmer starb kurz vor der Vollendung, ohne sein Schloss je zu betreten, meint die Kunsthistorikerin.

Die Familie von Bothmer nahm bei ihrer Flucht in den Westen 1945 das Mobiliar mit, aber kurioserweise nicht die Ahnengalerie . Von ihrem Besitz erhielt die Familie 1990 die Bilder und 2012 das im gleichen Jahr entdeckte Tafelsilber zurück.

Nach 1945 wurde das Schloss als Krankenhaus, von 1948 bis 1994 als Altersheim genutzt. 2008 übernahm das Land die nach mehreren gescheiterten Privatisierungen verfallenen herrschaftlichen aus rotem Backstein errichteten Gebäude, die nun ein Museum, Konzert- und Veranstaltungsräume, Café und Restaurant beherbergen.

In die Restaurierung flossen gut 36 Millionen Euro, das Gros davon aus EU-Töpfen. Der Umfang der Bauarbeiten war enorm: 740 Tonnen Beton flossen allein in das neue Fundament des im Morast errichteten Schlosses, wie Projektleiter Siefert resümiert. 6500 Quadratmeter Fassade wurden saniert, 280 historische Fenster nachgebaut, 1300 Quadratmeter Stuck restauriert und 1500 Quadratmeter Holzdielen erneuert. 

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