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Grabow-Heidehof : Grabower Kampf geht in neue Runde

vom

Eine betroffene Bürgerin verklagt die Bundesrepublik Deutschland, die erteilte Genehmigung zur Durchführung der Freisetzung des gentechnisch veränderten Lebend-Impfstoff für Pferde aufzuheben.

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erstellt am 02.Aug.2012 | 08:18 Uhr

Grabow | Rosemarie Roeschke, betroffene Bürgerin aus Grabow-Heidehof verklagt die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und beantragt, die erteilte Genehmigung zur Durchführung der Freisetzung des gentechnisch veränderten Lebend-Impfstoff für Pferde in Grabow-Heidehof aufzuheben.

Rosemarie Roeschke, Mitinhaberin der "Kraftfahrzeuginstandsetzung Dirk Roeschke" aus Grabow-Heidehof zu den Gründen ihrer Klage: "Wir wohnen 50 Meter von dem halboffenen Versuchsstall entfernt und betreiben genau gegenüber eine Kfz-Werkstatt. Wir sind also direkt betroffen. Für uns wären diese Versuche höchst geschäftsschädigend. Wir und die Bewohner von Heidehof lehnen diese Freisetzungsversuche generell ab."

Menschen aus Dörfern der Region lehnen das Vorhaben ab

Dr. Burkhard Roloff, Gentechnikexperte beim BUND: "Die Menschen aus Grabow und Umgebung haben mit ihren zahlreichen Einwendungen klar gemacht, dass sie gegen diesen Freisetzungsversuch sind, weil sie sich dadurch in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen. Dadurch wurde die Genehmigung des Freisetzungsversuchs, verzögert, so dass der Versuch dieses Jahr nicht mehr durchgeführt werden kann. Wir unterstützen die Klage von Frau Roeschke, da wir nach Akteneinsicht der Genehmigung mit unserer Anwältin die Begründung der Klage einreichen, und auf juristischem Wege diesen gefährlichen und sinnlosen Freisetzungsversuch verhindern wollen." Das Umweltinstitut München unterstützt die Klage gegen die Freisetzung des Gen-Lebend-Impfstoffes in Grabow. Es kann nicht sein, dass die wirtschaftlichen Interessen eines einzelnen Pferdezüchters und eines Pharmakonzerns vor den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung gestellt wird, kritisiert Anja Sobczak, Gentechnik-Referentin beim Umweltinstitut München. "Die Tatsache, dass die Freisetzung zwar genehmigt ist, aber in diesem Jahr nicht mehr begonnen werden kann", so Sobczak weiter, "gibt uns die Möglichkeit, die skandalöse Bewilligungspraxis des BVL auf den juristischen Prüfstand zu stellen."

Bis zum 21. Februar 2012 sind insgesamt 437 Einwendungen gegen den geplanten Impfversuch mit genveränderten Bakterien im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingegangen. Davon wurden 353 Einwendungen im Bürgerbüro von Grabow abgegeben. Darüber hinaus haben fast 30 000 Menschen Protestmails an die zuständigen Ministerien versandt.

Die Einwendungen und Protestmails richten sich gegen das Vorhaben des niederländischen Pharmakonzerns Intervet, erstmals gentechnisch veränderte lebende Bakterien an Pferden in Deutschland zu testen. Im bundesweit größten Gestüt des Ex-Springreiters Paul Schockemöhle sollen Fohlen damit behandelt werden, um sie gegen eine eitrige Lungenentzündung immun zu machen. Am 6. Juni 2012 erteilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Genehmigung, am 26. Juni 2012 verklagte Rosemarie Roeschke das BVL. Am 12. Juli nutzten Gisela Welke und ihr Mann Kurt im Rahmen der Bürgersprechstunde die Gelegenheit, mit dem Ministerpräsidenten unseres Landes, Erwin Sellering, in Schwerin ins Gespräch zu kommen. "Wir hatten eine rund 20-minütige Aussprache zum genannten Thema. Wir, als mitbetroffene Bürger der Stadt Grabow, haben noch einmal alle Ängste und Sorgen, die wir gegen das geplante und teils genehmigte Experiment der absichtlichen Freisetzung des genmanipulierten Bakteriums Rhodococcus-equi hegen, sehr deutlich dargelegt. Herr Ministerpräsident hat Verständnis für unsere Sorgen geäußert und uns versichert, dass er sich der Thematik annehmen werde."

Da noch Teilgenehmigungen ausstehen, die das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Schwerin beurteilen und eventuell genehmigen müsse, werde er den dafür zuständigen Minister bitten, in diesem Falle Till Backhaus, sich dieser Sache anzunehmen, mit Berücksichtigung der Grabower Sorgen und Ängste, erklärt Gisela Welke. "Es wurde uns versichert, das wir informiert würden, sobald neue Erkenntnisse vorlägen. Unser anschließender Hinweis auf den schon im Bau befindlichen Legehennenstall von fast 40 000 Tieren wurde zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht mehr kommentiert. Wir hoffen sehr, das unser Treffen beim Ministerpräsidenten Sellering dazu beigetragen hat, die Sicht auf diese so wichtige Thematik, für Mensch, Tier und Umwelt, zu verschärfen und nicht ausgeräumte Risiken sehr ernst zu nehmen", so Gisela und Kurt Welke.

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