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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 02:10 Uhr

Grabklau: Verwalter ist empört

vom

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2012 | 08:19 Uhr

Gartenstadt | Gegen den Pflanzenklau auf dem Neuen Friedhof geht Uwe Karsch, Leiter des Friedhofswesens im Amt für Stadtgrün, seit Jahren vor. Pünktlich zum Frühjahr sind nun die dreisten Diebe wieder unterwegs und machen fette Beute: Unzähl ige Stiefmütterchen und Hornveilchen werden einfach aus dem Boden herausgerupft und sogar ganze Hecken verschwinden spurlos. "Wir können dagegen nichts machen, schließlich ist dies ein öffentlicher Ort und für jeden zugänglich", so Karsch.

Bei ihm sind in diesem Jahr bereits mehrere Beschwerden eingegangen. Auch städtische Flächen auf dem Neuen Friedhof sind von dem Diebstahl betroffen. "Zirka 30 Fälle werden jährlich in der Friedhofsverwaltung gemeldet", so Karsch. Er glaubt jedoch, dass die Dunkelziffer der Geschädigten weitaus höher liegen dürfte. Viele würden sich einfach im Stillen ärgern und einfach neue Blumen pflanzen. So auch Friedrich Wilhelm Möller. Dass er bestohlen wurde, liegt nun schon ein paar Jahre zurück. Er hofft darauf, dass er in Zukunft von den dreisten Diebestouren verschont bleibt. Schon häufiger wurde Peter Bäveroth Opfer der dreisten Diebe. Mittlerweile habe er sich schon daran gewöhnt, dass von seinen Neupflanzungen die Hälfte wieder verschwindet. "Ich kann gar nicht verstehen, wie die Leute so eine Tat mit ihrem Gewissen vereinbaren können", sagt der 77-Jährige. Die Bestohlenen fühlen sich hilflos, schließlich bleibt ihnen nur die Anzeige bei der Polizei gegen unbekannt. Die Polizei hat in den meisten Fällen fast keine Ermittlungsansätze.

Den Neuen Friedhof systematisch zu überwachen, sei nahezu unmöglich - 68 000 Gräber gibt es auf einer Fläche von 44 Hektar, die für jeden zugänglich ist. "Wir haben tatsächlich schon einmal über einen Wachdienst nachgedacht", sagt Karsch. Die Idee kam allerdings nicht wegen des Blumenklaus auf, sondern weil kurz nach der deutschen Wiedervereinigung Randalierer mehrere Grabsteine beschädigten. Doch die Kosten für den Wachdienst wären hoch gewesen und hätten von den Trauernden getragen werden müssen. Auch das Abriegeln des Friedhofs würde Karschs Meinung nach nicht funktionieren. Früher hatte der Friedhof gar keine Begrenzung nach außen. Als später Zäune aufgestellt wurden, waren Besucher empört - schließlich kamen sie nur noch von einer Seite an ihre Ziele und mussten große Umwege in Kauf nehmen.

Heute gibt es darum neben den drei befahrbaren Eingängen sechs kleine Nebentore. Durch diese, befürchten viele Opfer des Blumenraubes, könnten Diebe leicht und unerkannt fliehen. Doch selbst wenn mal jemand auf frischer Tat ertappt wird, droht keine große Strafe. Behandelt würden solche Delikte Karsch zufolge nicht wie Grabschändung, sondern als Diebstahl minderer Schwere. Karsch, der seit nunmehr 46 Jahren auf dem Friedhof arbeitet, bleibt trotz allem gelassen. "Das passiert eben. Zum Glück nicht allzu häufig." Schlimmer sei das Problem mit dem Müll auf dem Neuen Friedhof. Illegal laden einige Rostocker ihre Abfälle ab. Aus Karschs Sicht helfe nur eins: die Besucher müssen stets wachsam sein und sich auch gegenseitig zur Ordnung rufen.


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