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Mecklenburg-Vorpommern

19. Oktober 2017 | 14:56 Uhr

Grabesstille in der Nachspielzeit

vom

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2011 | 09:27 Uhr

Der FC Hansa schrammte im zweiten „Geisterspiel“ der Geschichte der deutschen Fußball-Bundesligen gestern beim 2:2 (1:1) gegen Dynamo Dresden äußerst unglücklich am zweiten Saisonsieg vorbei.

Profis, Trainer, Funktionsteams, Schiedsrichter, Ordner, Balljungen, nicht im Kader befindliche Spieler, Medienvertreter – alles in allem mögen sich vielleicht 200 Personen im Inneren befinden. Ausverkauft hätte die Partie sein sollen mit um die 25 000 Zuschauern. Doch die bleiben heute draußen – Höchststrafe für den als „Wiederholungstäter“ gelisteten Gastgeber. Nach den Vorkommnissen während des 1:3 gegen den FC St. Pauli vier Wochen vorher ist für den DFB das Maß voll – und das Stadion bleibt leer.

„Das Schweigen der Ränge“, so heißt der unheimliche „Stummfilm“, der hier gezeigt wird. Wobei: Schon nach 33 Sekunden unterbricht Jubel die Trostlosigkeit. Ein Jubel wie von den Spielereltern am Rande des Kunstrasenplatzes vor der Geschäftsstelle, wenn das Talent Christopher Rodri-guez das 1:0 für die CII-Jugend des FC Hansa gegen den Torgelower SV Greif erzielt…
In Wahrheit sind wir in der nahezu verwaisten DKB-Arena und ist es Marcel Schied, der nach formidabler Vorarbeit von Michael Blum das schnellste Rostocker Tor in der 2. Bundesliga schießt (bis dahin René Rydlewicz im September 2005 nach 70 Sekunden bei einem 2:0 gegen Paderborn).
Die Gäste beginnen nach und nach das Spiel zu bestimmen. Dedic tut sich die Riesenchance zum Ausgleich auf, doch er schiebt den Ball aus vier Metern am halbleeren Tor vorbei (35.). Der krankheitsgeschwächt auf der Tribüne sitzende FCH-Verteidiger Peter Schyrba atmet auf: „Zum Glück haben unsere Platzwarte an der Stelle ein Loch eingebaut.“

Die Schwarz-Gelben kommen trotzdem noch vor der Pause zum 1:1. Schiedsrichter Aytekin gibt nach einer unglücklichen Szene von Tino Semmer zu Unrecht Foulelfmeter. Diesmal schiebt Dedic die Kugel rein (43.). Die Freude bei den Elb-Florenzern ist groß. Es klingt, als hätten ihre Landsleute, die Altrepräsentativen der BSG Sachsenobst Dürrweitzschen, beim Freundschafts-Kick auf dem Dorf getroffen.

Dabei findet hier eigentlich ein Kracher der 2. Bundesliga statt. Ein Kracher freilich mit abgedrehtem Ton. Stadion-Conférencier Klaus-Jürgen Strupp braucht eigentlich kein Mikrofon, um den neuen Spielstand vernehmbar zu verkünden.
Die Gäste bis dahin schneller, direkter, torgefährlicher. Aber die Weiß-Blauen wollen das Glück notfalls erzwingen. Robert Müllers Schuss nach feiner Freistoßvariante von Tobias Jänicke und Sebastian Pelzer lässt den Pfosten lauthals scheppern (56.). Sekunden später jedoch fällt das 2:1. Schütze mit links Marek Mintál nach präziser Flanke von Michael Wiemann. Und da, wo abgesehen von der Anfangsphase vor allem die Kommunikation der Spieler und Ersatzbänke untereinander die Akustik bestimmt, sind jetzt auch wieder die draußen vor den Toren versammelten Rostocker Fans gut zu verstehen.

Die Ostseestädter liegen auf einem Nichtabstiegsplatz! Sie tun es trotz Gelb-Rot gegen Michael Wiemann (83.) bis in die Nachspielzeit hinein. Aber alles Respekt abnötigende Geschufte ergibt trotzdem wieder keinen Dreier. Nach 46:13 Minuten der zweiten Hälfte gelingt Poté aus Nahdistanz das 2:2.
Und abgesehen vom Dynamo-Lager geht Hansas Zuschauer-Minusrekord für die Ewigkeit (der bisherige lag bei 600 Zuschauern, die im Mai 1993 das 0:1 gegen Freiburg erlebten) mit Grabesstille einher…

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