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Mecklenburg-Vorpommern

24. Oktober 2017 | 13:36 Uhr

Glauben : Gott allein zu Haus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Evangelische Kirche hat in nur vier Jahren mehr als 20 000 Mitglieder in MV verloren – neue Ideen sollen die Schäfchen zurückholen

von
erstellt am 21.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Ehrwürdige Mauern, der Altar geschmückt, doch die Bänke sind leer: Immer weniger Menschen gehen in die Kirche. Immer öfter bleiben die Schäfchen fern. Der Pastor ist allein mit Gott zu Haus. Hatte die Evangelische Kirche im Kreis Mecklenburg 2010 noch 189 934 Mitglieder, so waren es 2014 noch 177 944. Und im Kreis Pommern sieht es nicht besser aus. Hier gab es 2010 noch 94 119 Kirchenmitglieder, im Jahr 2014 waren es 85 256. „Es handelt sich hierbei allerdings nicht nur um Austritte, – einige Menschen sterben ja leider auch“, so der Kirchenkreissprecher der Nordkirche, Christian Meyer. Im Durchschnitt treten in Mecklenburg jährlich 2 000 Gemeindemitglieder aus.

Meyer sagt aber auch, dass man den demografischen Wandel, den nicht nur die Kirche zu spüren bekomme, als Chance verstehen müsse. „Der Pastor macht immer Gottesdienst. Ob für 3000, 300 oder 30 Menschen. So kann der Gottesdienst persönlicher und direkter werden“, betont Meyer.

In der Vergangenheit wurden viele Kirchgemeinden zusammengelegt. So gab es in Mecklenburg 2010 noch 269, bis 2014 schrumpfte die Zahl auf 255. Und auch in Pommern sank die Zahl von 185 auf 162. Viele Kirchen stehen die meiste Zeit leer. Allein in Mecklenburg gibt es zwölf Ruinen, die im Besitz der Evangelischen Kirche sind.

Ziemlich runtergekommen war auch die Kirche in Federow. Bis ihr Jens Franke 2005 eine neue Aufgabe gab. „Wir haben uns für ein ganz neues Konzept entschieden – für eine Hörspielkirche“, erzählt der Ideen-Geber. Am 15. Juli startet nun bereits die elfte Saison. Zu hören sind Klassiker wie Wilhelm Tell oder aber Stücke von Edgar Allan Po. „Wir wollten einfach nicht, dass die Kirche leer steht und haben sie für 160 000 Euro saniert“, erklärt Franke. Dass das Konzept gut ankommt, bestätigen die Zahlen. Denn: Die Federower Kirche besuchen jährlich rund 10 000 Gemeindemitglieder und Touristen. „Viele Menschen verlieren die Scheu. Betreten die Kirche, was sie sonst nie tun würden“, so Franke.

Das die Kirche neue Wege gehen will, zeigt auch ein weiteres Projekt. „Wir wollen unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten“, sagt Christian Meyer. Anfang 2014 wurde dazu das Kirchliche Energiewerk gegründet. Nach einem Gutachten der Universität Flensburg würden sieben Windenergieanlagen ausreichen, um alle kirchlichen Immobilien der Nordkirche mit elektrischem Strom zu versorgen. Derzeit stehen 30 Windkraftanlagen auf Flächen, die mecklenburgische Kirchengemeinden an private Betreiber verpachtet haben. „In Zukunft wollen wir sie selbst bewirtschaften“, so Meyer. Wann es genau soweit sein wird, stehe noch nicht fest.

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