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Der Glaube an eine Stadt : Goldberg + Kunst = Goldbergkunst

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Da kehrt ein süddeutscher Fotograf nach vielen Jahren aus England zurück und wählt ausgerechnet Goldberg als seine neue Heimat. Wohnt hier, lebt hier, bleibt hier. Klingt wie ein Märchen? Ist aber Realität.

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erstellt am 17.Apr.2012 | 10:50 Uhr

Goldberg | Da kehrt ein süddeutscher Fotograf nach vielen Jahren aus England zurück und wählt ausgerechnet Goldberg als seine neue Heimat. Wohnt hier, lebt hier, bleibt hier. Klingt wie ein Märchen? Ist aber Realität.

So geschehen im Fall von Gerhard Stromberg. Er kam rein zufällig nach Goldberg. "Nach meiner Rückkehr aus dem Ausland war Goldberg die erste Stadt, mein heutiges Haus das erste Haus - irgendwie hat alles gepasst und mir gefallen", sagt der Künstler. Stromberg ist ein Mann der großen Landschaftsbilder, aber kein Mann der großen Worte. Wenn er spricht, dann leise. Er wählt seine Wort mit Bedacht, ist das Gegenteil von einem Schwätzer. Seine Stimme klingt verraucht und ein bisschen nach dem Schauspieler Otto Sander. Seine Worte hallen von den frisch gestrichenen Wänden der Goldberger Galerie wider. Eine Galerie in Goldberg. Was nach einem Widerspruch klingt, ist seit einigen Wochen Wirklichkeit.

"Wir glauben an diese Stadt", sagt Stromberg und zieht seinen grob gewebten Schal, den er locker um den Hals trägt, zurecht. Es sei viel Substanz da, die Landschaft sei ohnehin fantastisch. Doch nicht nur die Stadt, die Gebäude und die Landschaft haben es dem 50-Jährigen mit den grau-melierten Haaren angetan, sondern auch die Menschen. "Es gibt hier viel mehr inspirierende und helfende Menschen als ich je gedacht hätte", sagt der Mann, der in der Nähe von Heidelberg geboren wurde. Auch Künstler gebe es viele in der Region. Nur eines fehle gelegentlich: Der Glaube an die Stadt und die Region. "Es muss sich wieder ein besseres Klima in der Goldberg entwickeln", sagt Stromberg. Die erste Ausstellung im Atelier zeigt aktuell Bilder des Malers Matthias Wegehaupt. Als dieser vor der Ausstellungseröffnung durch Goldberg ging, sagte er: "Goldberg ist in einem Schlafzustand und wartet darauf, zu erwachen." "Es freut mich sehr, wenn Künstler so etwas sagen, denn sie haben meistens ein gutes Gespür für Entwicklungen", sagt Stromberg.

Mit innerstädtischen Streitigkeiten will er nichts zu tun haben. Seine Galerie sei für jeden offen. Wer weiß, vielleicht wird die Lange Straße 90 mit der Zeit ja zu einem Ort der Versöhnung. Einige Jahre stand das Ladenlokal leer, vorher gab es hier einen Textilladen. Ein Ort der Kunst war die Adresse schon einmal. Damals gab es in dem Laden Schallplatten.

In jedem Fall wird die Adresse die Kunst zurück nach Goldberg bringen. Die Wegehaupt-Ausstellung läuft noch bis zum 10. Juni, vom 23. Juni an zeigt die Galerie schwarz-weiß Fotos aus Goldbergs Vergangenheit von Fotograf Arno Kobade unter dem Titel "Goldberg Variationen". "Eine Ausstellung pro Jahr möchten wir Goldberg widmen", sagt Stromberg. Ein Akt zur Steigerung des Selbstwertgefühls sei das.

Karl Kranzkowski liest in der Galerie

Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember sind Bilder der Kölner Malerin Linde Salber zu sehen. "Auch das Programm für das kommende Jahr ist schon recht konkret", sagt Birgit Schröder. Die Ärztin aus Goldberg ist die Partnerin von Gerhard Stromberg, engagiert sich zusammen mit ihm für den Verein, der seit seinem Gründungsdatum, dem 26. September vergangenen Jahres, auf 30 Mitglieder angewachsen ist. Schröder ist es auch, die ihren Freund, den Schauspieler Karl Kranzkowski in die Mildenitzstadt locken konnte. Bei "Kunst offen" wird er in der Galerie aus Wegehaupts Roman "Die Insel" lesen.

Eines der Mitglieder ist Günther Heitmann. Der Unternehmer mit der lauten Stimme und den schelmischen Augen wohnt in Sehlsdorf, richtet von dort aus Büros in Norddeutschland ein. Für Goldbergkunst ist Heitmann ein Glücksfall. Er hat 40 Stühle für die Galerie besorgt. Für Filmabende. "Vitrinen hab ich auch noch", sagt er mit seinem Hamburgischen Akzent. Vor Ausstellungseröffnung hatte er auch eine schwarze Metallkommode. Schwarz passte farblich aber so gar nicht ins Konzept der Galerie. Ein Goldberger Autolackierer sprühte das Möbel kurzerhand weiß an. "Eine tolle Hilfe", sagt Stromberg. Es bewegt sich was in Goldberg. Es kommen Künstler, es kommen Ausstellungen, es kommen Besucher. Klingt wie ein Märchen? Ist aber Realität.


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