Müritzeum Waren : Gold-Stücke im Aquarium

Biologe Marco Kastner vor einem Schaubecken mit Regenbogenforellen des Mueritzeums. dapd
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Biologe Marco Kastner vor einem Schaubecken mit Regenbogenforellen des Mueritzeums. dapd

Forelle und Hecht mit goldenen Schuppen sind die Raritäten im Müritzeum Waren - Gezeigt wird der Hecht dennoch nicht. Denn es fehlt ein Becken. Das würde etwa 40.000 Euro kosten, dafür ist aber kein Geld da.

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28. November 2012, 11:17 Uhr

Die goldene Forelle kann nicht so einfach untertauchen im Schwarm ihrer Artgenossen - deshalb lässt sie es.


Der Fisch mit der Pigmentstörung schwimmt meist etwas abseits von den anderen Forellen im großen Schaubecken des Müritzeums in Waren.


Die seltene Goldforelle kam als Geschenk eines Parkentiner Fischers in das Museum, wie Marco Kastner vom Müritzeum sagt. In der freien Natur hätte dieses Tier kaum eine Chance. Mittlerweile sei es aber zu groß, als dass es von anderen Fischen angegriffen werde.


Der strahlend goldfarbene Fisch ist Publikumsliebling und Besuchermagnet im Müritzeum. Hunderte Gäste drücken sich die Nase platt am Schaubecken, um das seltene Exemplar zu besichtigen. Nur einer könnte dem Fisch die Show stehlen: der goldene Hecht, der ebenfalls Bewohner des Müritzeums ist. Nur, zu sehen bekommt ihn außer den Mitarbeitern niemand, denn er dreht seine Runden im Becken der Forschungsstation hinter verschlossenen Türen.


Geld für eigenes Becken fehlt


"Wir würden den Hecht gern auch einer breiten Öffentlichkeit zeigen. Es fehlt uns aber ein Becken", erklärt Kastner. Das würde etwa 40.000 Euro kosten, dafür sei aber kein Geld da. Dabei sei der Hecht eine wirkliche Rarität. "In der Regel bekommt man so etwas gar nicht zu Gesicht. Solche Fische mit Xanthismus, so heißt diese Pigmentstörung bei Fischen, werden die Schuppentiere nicht alt", sagt Kastner. Der Hecht sei ja der Meister der Tarnung. So ganz in Gold, habe er kaum Chancen sich im Verborgenen zu halten um, wenn seine Beute nah genug dran ist, blitzartig zuzuschnappen.


Hecht wohnt schon seit zwei Jahren im Aquarium


Bereits seit zwei Jahren dreht der Goldhecht seine Runden im Müritzeum, nachdem ihn ein Fischer aus dem Kummerower See zog. Zum Anfang sei der Goldfang ein echter Pflegefall gewesen. "Wir hatten Sorge, dass er die Gefangenschaft nicht überlebt", erzählt Kastner.


Erst sei er abgemagert und sogar erblindet. "Die Augen waren voller Pilze. Aber wir haben es wieder hinbekommen. Er hat sogar sein Sehvermögen wieder zurück erlangt", informierte der Fischexperte.


Krank und andersartig - normalerweise würden solche Fische schon als Kleinfisch von anderen Artgenossen verspeist. "Der Hecht muss schon ein ziemlich schlaues Kerlchen sein, immerhin hat er im See überlebt. Er war schon an die 40 Zentimeter groß, als er zu uns kam", sagt Kastner. Dass er jetzt allein in einem Becken sei, entspreche seiner Natur. "Hechte sind Einzelgänger", so Kastner. Sie beziehen ein Revier und verteidigen es dann.


Erste Spenden eingetroffen


Gern soll der Einzelgänger aber dem Publikum gezeigt werden.


Dafür sammelt Müritzeum-Geschäftsführerin Andrea Nagel Spenden, mit ersten Erfolgen. "Das Becken ist deswegen so teuer, weil es ein Acrylglasbecken werden soll, damit man den goldenen Hecht auch von allen Seiten bestaunen kann", sagt sie. Und obwohl seit der Eröffnung des Müritzeums 2007 bereits über eine Million Besucher das Natur- und Erlebniszentrum besucht haben, reicht das Geld nicht.


"Wir mussten in diesem Jahr einen Besucherrückgang von 18.000 Gästen hinnehmen", erklärte sie. Bei monatlichen Stromkosten von 10.000 Euro bleibe unterm Strich nichts übrig für neue Anschaffungen. Die beiden Gesellschafter, die Stadt Waren und der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, müssen eventuelle Defizite ausgleichen, erklärt Nagel. "Wenn wir den Hecht zeigen könnten, wäre das ganz sicher ein Magnet für Gäste", ist sie überzeugt.


Vielleicht kommt ja noch das eine oder andere "Schmuckstück" dazu. "Die Fischer aus der gesamten Region unterstützen uns", sagte sie. Die Müritz-Fischer beispielsweise liefern Besatz- oder Jungfische. Und haben auch ein Auge darauf, was sich in ihren Netzen so Interessantes verfängt.

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