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Mecklenburg-Vorpommern

23. August 2017 | 00:22 Uhr

Glück, Pech und viel Können

vom

Das vorolympische Jahr 2011 war für den Sport in Meck-Pomm in der Hauptsache geprägt von Weltmeisterschaften. Von erwartungsgemäß gewonnenen und überraschenden Titeln, von knapp verpassten Goldmedaillen, aber ebenso von verlorenen Weltmeistergürteln, die sicherlich nur sehr schwer zurückzuerobern sein dürften. Und natürlich von Freud und Leid über den Schlingerkurs der Hansa-Kogge.

Vom Abstellgleis ins Rampenlicht

Die schönsten Erfolge sind zweifellos immer diejenigen, mit denen nun wirklich keiner rechnen konnte. In dieser Hinsicht hat Stabhochspringerin Martina Strutz 2011 sicherlich den Vogel abgeschossen. Mitte Januar war sie vom Olympiastützpunkt bereits zum Gespräch über das Ende ihrer mittlerweile für perspektivlos gehaltenen Laufbahn einbestellt. Dem Schieben aufs Abstellgleis entging die seinerzeit 29-Jährige nur, weil sie am Wochenende zuvor auf den Zug zur Hallen-EM (wo sie dann allerdings nicht startete) aufgesprungen war.

Mit 4,40 m hatte sich der 1,60 m kleine Schützling von Trainer Thomas Schuldt damals nach langer Verletzung nicht nur zurückgemeldet, sondern zu einem Höhenflug angesetzt, der im Weltsport seinesgleichen sucht. Der Rest ist bekannt und in vielen Schlagzeilen dokumentiert: Höhenjagden en masse bis hin zur Verbesserung des neun Jahre alten deutschen Rekordes am 12. Juli um einen Zentimeter auf 4,78. Und als Höhepunkt dann die WM-Silbermedaille am 30. August im südkoreanischen Daegu, als die Athletin vom Hagenower SV mit dem erneuten deutschen Rekord von 4,80 die Brasilianerin Fabiana Murer für deren Goldgewinn zum Südamerika-Rekord von 4,85 "zwang".

Unvergessen bleiben wird ebenfalls "Strutzis" Tränenmeer nach dem Wettkampf beim Telefonat vor laufender ARD-Kamera mit Trainer Thomas Schuldt, der gerade erst acht Wochen zuvor mit viel Glück einen schweren Herzinfarkt überlebt hatte.

In letzter Minute aufs Gold-Boot aufgestiegen

Glück - das ist sicherlich auch das meiststrapazierte Wort, wenn Kajak-Fahrer Paul Mittelstedt vom SC Neubrandenburg sein Jahr 2011 Revue passieren lässt. Hätte dem 23-Jährigen am 19. August jemand vorhergesagt, er würde tags darauf Weltmeister sein, er hätte denjenigen wohl für verrückt erklärt. Denn der Schützling von Trainer Jürgen Lickfett hatte gerade sein Finale im Einer über 500 Meter verpasst und war eigentlich gar nicht für den deutschen 1000-Meter-Vierer vorgesehen.

Doch dann kam alles ganz anders. Durch eine Erkrankung des Berliners Marcus Groß rutschte Mittelstedt drei Stunden vor dem Endlauf doch noch ins Boot und fuhr das Rennen seines Lebens. Das endete erst ganz oben auf dem Siegerpodest. Australien und Russland hatten - für sich selbst wohl am überraschendsten - das Nachsehen.

Ganze zwei Wochen später musste Paul Mittelstedt dann alle seine Schutzengel bemühen. Nach einem Motorradunfall wurden ein Schulter- und ein Hüftbruch diagnostiziert. Seine Karriere schien zu Ende zu sein. Doch inzwischen ist der gebürtige Dresdener wieder auf dem Damm, kann weitermachen und versucht, sein Trainingsdefizit im Hinblick auf Olympia aufzuarbeiten.

Der "alte Mann" mit den schnellen Beinen

Was das anbetrifft, da liegt der Schweriner Stefan Nimke voll im Plan. Mehr noch, der mittlerweile 33 Jahre alte Nestor des deutschen Bahnrad sports hat schon im abgelaufenen Jahr Ansprüche auf seine fünfte Olympiamedaille bei den Spielen in London 2012 angemeldet. Nicht über die 1000 Meter, auf denen er in diesem Jahr zum dritten Mal nach 2003 und 2009 Weltmeister wurde - die sind seit 2004 leider nicht mehr olympisch. Umso mehr aber im Teamsprint. Da zeigte sich das deutsche Trio um Nimke mit EM-Gold am 21. Oktober in Apeldoorn (NL), vor allem aber mit dem Weltrekord beim Weltcup am 2. Dezember im kolumbianischen Cali bereits jetzt in Topform.

Hansas Topform reichte nur bis zum Sommer

Weil seine Topform nur für die Saison in der 3. Liga reichte, stürzte der FC Hansa seine vielen, vielen tausend Fans und Sympathisanten in diesem Jahr wieder einmal in ein Wechselbad der Gefühle. Ebenso überraschend wie souverän kämpfte sich die nach dem Abstieg im Sommer 2010 neu aufgestellte Elf auf Anhieb zurück in die 2. Liga.

Seither aber ist der Wurm drin: Nur ein Sieg, die wenigsten Tore der Liga, dafür aber Dauerärger wegen Fan-Randale und ein riesiger Schuldenberg. Da bleibt nur zu hoffen, dass mit dem neuen Trainer Wolfgang Wolf der nötige Biss zurückkehrt.

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erstellt am 30.Dez.2011 | 09:44 Uhr

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