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Prozess nach Glockenklau : Glockendieb gesteht

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Aus der Onlineredaktion

Gericht hat den reuigen Mann nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2017 | 21:00 Uhr

„Das Ganze lässt erkennen, dass bei Ihnen wohl doch noch nicht ganz Hopfen und Malz verloren sind“, sagte Richter Jörg Blasinski gestern am Amtsgericht Demmin. Gerade hat er einen 57-jährigen Mann aus Sachsen zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, weil dieser Ende 2015 zwei historische Friedhofsglocken gestohlen hatte. Die Strafe wird auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Geständnis des Verurteilten, das Ende seiner Arbeitslosigkeit und Reue gaben den Ausschlag.

In Dahmen (Landkreis Rostock) und Hohenbrünzow bei Demmin waren die mehr als 100 Kilogramm schweren Glocken Ende 2015 aus ihren hölzernen Glockenstühlen verschwunden. Die Kirchengemeinden und die Einwohner reagierten geschockt über so viel Unverfrorenheit. „Ich interessiere mich für Antikes und wollte die Glocken für mich“, sagte der Verurteilte aus Markneukirchen bei Plauen. Im Jahr 2015 sei er arbeitslos und frustriert gewesen. „Ich habe damals eine Radtour an die Ostsee gemacht und die Glocken gesehen“, erzählte der Täter. Dann sei er bei Dunkelheit mit einem Auto gekommen, habe sie ausgehängt, in Decken gewickelt und per Schubkarre zum Auto gebracht. „Später hat mich aber das Gewissen geplagt.“ Polizisten erlösten den Mann Mitte 2016 von seinen Gewissensbissen.

Sie durchsuchten wegen einer anderen Ermittlung seine Wohnung und stießen auf die Beute. Der Mann aus Sachsen, der schon vier einschlägige Vorstrafen hatte, legte schon damals ein Geständnis ab. Die Glocken aus dem 17. und 19. Jahrhundert kamen wieder in ihre Glockenstühle und läuten auch wieder. Viele waren froh, dass das Metall nicht bei einem Schrotthändler gelandet war.

Mit dem Urteil folgte das Gericht der Staatsanwaltschaft weitgehend. Richter Blasinski machte aber sehr deutlich, dass der Grat zwischen Bewährung und Freiheitsstrafe sehr schmal war. „Eigentlich gilt der Diebstahl von Kirchenglocken als besonders schwerer Fall.“ Das hätte höher bestraft werden müssen. In diesem Fall seien die Glocken nicht geweiht gewesen. „Aber bei diesem Strafregister werden sie nicht auf viel Verständnis stoßen, wenn noch einmal etwas passiert“, gab der Richter dem Mann mit auf den Weg.

Der prozesserfahrene Verurteilte, der ohne Anwalt erschien, sagte am Schluss nochmals, das Ganze tue ihm „sehr, sehr leid“. Zusätzlich zur Bewährung soll er 2000 Euro Buße zahlen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.


 

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