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Dioxin-Skandal: Sieben Betriebe in MV bleiben weiter gesperrt : Giftalarm in elf Ställen aufgehoben

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Kein überhöhtes Gift-Risiko in elf von 18 gesperrten Viehställen in MV: Knapp eine Woche nach den ersten Dioxin-Fällen sind in sechs Schweine- und fünf Geflügelställen die Betriebssperrungen wieder aufgehoben worden.

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erstellt am 10.Jan.2011 | 07:38 Uhr

Kein überhöhtes Gift-Risiko in elf von 18 gesperrten Viehställen in Mecklenburg-Vorpommern: Knapp eine Woche nach den ersten im Land entdeckten Dioxin-Fällen sind in sechs Schweine- und fünf Geflügelställen die Betriebssperrungen wieder aufgehoben worden. Untersuchungen hätten ergeben, dass der Dioxingehalt im Futter deutlich unter dem erlaubten Höchstwerten gelegen habe, teilte das Agrarministerium gestern in Schwerin mit. Fünf Puten- und zwei Schweinebetriebe blieben aber weiter gesperrt.

Die FDP warf indes Agrarminister Till Backhaus (SPD) Verbrauchertäuschung vor. Seine noch am Tag der ersten im Land gemeldeten Dioxin-Fälle öffentlich gegebene Entwarnung für Eier aus Mecklenburg-Vorpommern habe nichts mit Verbraucherschutz zu tun gehabt, sagte FDP-Fraktionschef Michael Roolf gestern gegenüber unserer Zeitung. Statt wie ein „Marktschreier“ Kunden zum Kauf von Eier mit der Landeskennnummer 13 aufzufordern, wäre es die Aufgabe von Backhaus gewesen, Verbraucher vor Risiken zu schützen, erklärte Roolf. Backhaus hatte in einem Interview mit dieser Zeitung erklärt: „Auf jeden Fall können wir auch Entwarnung bei Geflügel geben. Die Kunden sollten im Handel nachfragen, wo die Eier herkommen. Alle mit einer 13 gekennzeichneten Eier stammen aus MV. Die sind nach heutigem Kenntnisstand absolut in Ordnung.“

Der Backhaus-Vorstoß wird ein parlamentarisches Nachspiel haben. Die FDP wolle den Verbraucherschutz in MV in der kommenden Landtagssitzung thematisieren. Es gebe erheblichen Aufklärungsbedarf, sagte Roolf. Backhaus müsse erklären, wie es um den Verbraucherschutz in MV bestellt sei. Es sei nicht damit getan, mehr Kontrolleure loszuschicken. Auch die Landwirte müssten die Eigenkontrollen verbessern, forderte der Fraktionschef.

Die Bündnisgrünen in MV haben angesichts der Fälle ein Umsteuern in der Agrarpolitik gefordert. Der Skandal zeigt nach Ansicht des grünen Landesvorsitzenden Jürgen Suhr, „welche Risiken Massentierhaltung berge und dass die Schweriner Landesregierung falsche Prioritäten setze.“ Eine zeitgemäße Agrarpolitik müsse mehr auf artgerechte Tierhaltung und ökologischen Landbau setzen, teilte er am Montag in Schwerin mit. Das komme im Nordosten zu kurz.

Prignitz: Dioxin-Verdacht im Nachbarkreis

Zwei weitere Agrarbetriebe in Brandenburg stehen unter Dioxin-Verdacht. Eine Ferkel- und eine Putenproduktion im Prignitzer Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin seien mit möglicherweise dioxinbelastetem Futter beliefert worden, so Umweltministerin Anita Tack (Linke) gestern in Potsdam. Aus den Betrieben sei nach aktuellen Informationen kein Fleisch im Handel. Testergebnisse der anderen sechs Dioxin-Verdachtsfälle im Land lagen gestern laut Ministerium noch nicht vor.

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