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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 22:54 Uhr

Giftalarm bei Stasi-Behörde in Görslow

vom

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2013 | 08:37 Uhr

Görslow | Der erste Schreck bei den Mitarbeitern der Stasi-Unterlagen-Stelle in Görslow ist gewichen, doch absolute Sicherheit gibt es noch nicht: War das weiße Pulver, das gestern Mittag beim Öffnen eines Briefes in der Poststelle aus dem Umschlag rieselte, gefährlich oder nicht? Eine Antwort auf diese Frage wird es erst heute Nachmittag geben, wenn die beiden sichergestellten Briefe in Greifswald in einem Labor untersucht worden sind.

So lange muss vor allem die 51-Jährige, die die Briefe öffnete, mit der Unsicherheit klarkommen. Sie hatte beim Öffnen eines Briefes ein verdächtiges, weißes Pulver bemerkt und sofort Alarm ausgelöst. Seitdem steht sie unter Beobachtung von Medizinern. Gegenüber den Einsatzkräften hat die Frau aber die ganze Zeit betont, dass es ihr gut gehe.

Zeitgleich lief von diesem Moment an in der Görslower Behörde alles nach Alarmplan: 35 Mitarbeiter verließen sofort das Gebäude und fanden sich an der Sammelstelle hinter der Kirche ein. Was genau passiert war, das wussten sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Polizisten und etwa 20 Feuer wehrleute aus Leezen, Raben Steinfeld und Görslow sperrten das dreigeschossige Gebäude ab. "Wir haben entschieden, die Gefahrengruppe der Feuerwehren vom Ostufer des Schweriner Sees und den Gefahrgutwagen der Parchimer Feuerwehr anzufordern", berichtet Manfred Jedzik. Der Leezener leitete den Feuer wehreinsatz. Immerhin durfte die Mehrheit der Mitarbeiter kurz an die Arbeitsplätze, um Jacken und Autoschlüssel zu holen und dann nach Hause zu fahren. Eine Hand voll Betroffener blieb außen vor, denn deren Büros liegen auf dem gleichen Flur wie die Poststelle. Der rechte Flur im zweiten Obergeschoss blieb Tabuzone.

Zeitgleich bereiten sich die Männer aus der Gefahrengruppe der örtlichen Feuerwehren auf ihren allerersten Giftstoff-Einsatz vor. Die Einsatzkräfte tragen nicht nur Atemschutzmasken: Vier von ihnen schlüpfen in grüne Spezialanzüge. Ein Duo macht sich schließlich auf den Weg ins zweite Obergeschoss. Das andere Paar steht bereit, um im Notfall sofort eingreifen zu können. Zudem sichern zwei weitere Kameraden in normalen Schutzanzügen den Einsatz ab. Dank des zuvor studierten Lageplanes finden die Feuerwehrmänner die Poststelle sofort. Zwei geöffnete und weitere noch verschlossene Briefe liegen an der Stelle, die die 51-jährige Angestellte genannt hat. Doch ein Pulver oder etwas anderes Verdächtiges entdeckten die Männer nicht. Auch der Inhalt der geöffneten Briefe gibt keinen Hinweis auf einen Anschlag oder ein Verbrechen: normaler Geschäftsverkehr von Antragstellern aus Nördlingen in Bayern und aus Wismar. Dennoch werden beide Schreiben eingetütet und sichergestellt. Luftdicht verpackt bringen die Feuerwehrleute ihren Fund nach draußen. Dort kommt er in einen verschließbaren Plasteeimer und wird so zur Untersuchung ins Labor transportiert. Die beiden Vordermänner aus der Gefahrengruppe müssen noch vor dem Ablegen der Schutzkleidung unter die Dusche. Die und auch das Wasser könnten belastet sein, müssen deshalb auch sichergestellt werden.

Für die Helfer von der Feuerwehr ist der Einsatz kurz danach, gegen 15.30 Uhr, zu Ende. Polizisten sichern weiterhin das Gebäude ab. Ob und in welchem Umfang es heute Einschränkungen für die Arbeit der Stasi-Unterlagen-Behörde gibt, war bis Redaktionsschluss unklar. Trotzdem war bei allen Einsatzkräften so etwas wie Erleichterung zu spüren, dass keinem Menschen etwas passiert ist und dass es sich womöglich um einen unbegründeten Alarm gehandelt hat. "So wie das bislang gelaufen ist, war alles in Ordnung", zieht Polizeisprecher Klaus Wiechmann ein erstes Fazit. Auf keinen Fall könne der Angestellten in der Poststelle ein Vorwurf gemacht werden, sind sich die Einsatzkräfte vor Ort einig. Denn nach den Vorfällen im Bundespräsidialamt in der vorigen Woche sei Vorsicht geboten. Auch dem Feuerwehr-Einsatzleiter Manfred Jedzik wäre es nur recht, wenn der erste Giftstoff-Einsatz am Ostufer des Schweriner Sees ohne gefährlichen Hintergrund bleibt. Ob es so kommt, wird sich heute zeigen.

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