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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 07:29 Uhr

Nur Panikmache? : Gift auf der grünen Weide

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jakobskreuzkraut ähnelt Löwenzahn, doch der Verzehr kann Pferde töten/ Nabu spricht von Panikmache

Tierhalter in Mecklenburg-Vorpommern sind auf der Hut. Besonders im Westen Mecklenburgs breitet sich auf ihren Weiden immer mehr Jakobskreuzkraut aus. Fressen Pferde zu viel davon, kann das zu Leberschäden und im äußersten Fall sogar zum Tod führen. Auch für Rinder birgt das Kraut Gefahr. Das Schweriner Landwirtschaftsminister hat die Flächeneigentümer inzwischen aufgefordert, den Wuchs des Jakobskreuzkraut einzudämmen. Vielerorts kommen die Weidebesitzer jedoch kaum gegen die Samen an, die von Pflanzen auf benachbarten Brachflächen, Straßenrändern oder Bahndämmen auf ihre Flächen zu Tausenden herübergeweht werden. Auch auf den Weiden von manchen Ökobauern wächst das Jakobskreuzkraut vermehrt, weil die Weiden zu selten gemäht werden.

„Wir machen uns schon Sorgen“, sagt Uwe Witt, Zuchtleiter und Geschäftsführer des Pferdezuchtverbandes Mecklenburg-Vorpommerns. Pferdehalter sollten „die Augen offen halten“ und so weit möglich, einzelne Pflanzen ausstechen und am besten verbrennen. Witts Verband spricht immerhin für 2000 Züchter im Land. Insgesamt könnten 22  000 Pferde in MV betroffen sein, schätzt Witt.

Jakobskreuzkraut wird bis zu 120 Zentimeter groß und ist mit seinen zahlreichen kleinen goldgelben Blüten schön anzusehen. Die gesamte Pflanze jedoch sei „hochgiftig“, heißt es beim Landespflanzenschutzdienst, besonders aber die jüngsten der dem Löwenzahn ähnlichen Blätter. Schuld daran sind so- genannte Alkaloide. Erfahrene Pferde und Rinder meiden das Kraut auf der Weide, weil es bitter schmeckt, es sei denn, es sind kaum noch andere Pflanzen zum Fressen übrig. Im Heu und in der Silage werden die Bitterstoffe der Pflanze abgebaut, das Gift aber bleibt erhalten.


Tödliche Folgen treten erst nach Jahren auf


Wenn es einmal in den Körper der Tiere gelangt ist, bleibt es dort erhalten und kann, sobald sich sehr große Mengen angesammelt haben, eine tödliche Wirkung entfalten. Vergiftungen treten so in einigen Fällen erst nach Monaten oder Jahren auf. Ein Pferd mit 600 Kilogramm Gewicht müsste mindestens 24 Kilogramm frisches Jakobskreuzkraut fressen, um die tödliche Aufnahmemenge zu erreichen.

Das Landwirtschaftsministerium glaubt, im Rahmen der „guten landwirtschaftlichen Praxis“ könne das Jakobskreuzkraut eingedämmt werden. Dazu müssten einerseits Pflanzen vor dem Aussamen entfernt und Weiden gut gemäht werden. Auch sollten kleine Narben in der Weidefläche mit anderen Pflanzen geschlossen werden, damit das Jakobskreuzkraut sich darin nicht festsetzen kann. Notfalls können auf konventionell bewirtschafteten Weiden auch Herbizide eingesetzt werden. Das ist auf Ökoflächen verboten.

In sehr hohen Mengen wird Jakobskreuzkraut auch für Menschen gefährlich, zum Beispiel wenn seine Gifte in Honig, Getreideprodukte oder Kräutertees gelangen. „Wir haben das Problem im Fokus“, sagt Torsten Ellmann, Vorsitzender des Imkerverbands Mecklenburg-Vorpommern. Die Imker seien aufgefordert, ihre Bienenvölker nicht an Plätzen aufzustellen, an denen das Kraut massenhaft vorkommt. Allerdings sei bislang noch kein belasteter Honig gemeldet worden. Dennoch sollen nun in Absprache mit dem Landwirtschaftsministerium Honigproben im Labor untersucht werden. Der Verband vertritt rund 1500 der insgesamt 1800 Imker im Land, die 20  000 Bienenvölker betreuen.

Naturschutzverbände raten unterdessen, sich von möglicherweise „übertriebener Panikmache der Pflanzenschutz- und Landwirtschaftslobby“ nicht anstecken zu lassen, so der Nabu. Die Pflanze sei bereits „auf den Weideflächen unserer Vorfahren nicht selten“ vorgekommen. Ohne Jakobskreuzkraut gäbe es eine Lücke im Ökosystem Wiese, heißt es beim BUND. Der ohnehin schon seltene Schmetterling Jakobskrautbär, der vor allem vom Jakobskreuzkraut lebt, wäre dann vom Aussterben bedroht.

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