Verseuchung : Gift auf dem Acker: Kunden in Sorge

In MV werden in jeder zweiten Lebensmittelprobe Pestizid-Rückstände entdeckt

svz.de von
26. März 2014, 07:57 Uhr

Prüfer sind in Kartoffeln, Pangasiusfilets, Linsen, Grünkohl, Bohnenkraut, Tafelweintrauben, Zitronen fündig geworden: In MV sind in den vergangenen Jahren im Schnitt bei etwa jeder zweiten pflanzlichen Lebensmittelprobe Rückstände von Pflanzenschutzmittel festgestellt worden – 2013 bei zwei Drittel von insgesamt 344 Proben. Das haben Untersuchungen des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALFF) ergeben. In einigen Fällen seien dabei die zulässigen Höchstgrenzen zum Teil deutlich überschritten worden. So hätten die Prüfer in Kartoffeln Reste des seit Jahren verbotenen Insektizids Lindan festgestellt, erklärte LALFF-Bereichsleiter Werner Peukert bei einem Fachgespräch der grünen Landtagsfraktion in Retschow nahe Bad Doberan: „Das hat uns auch überrascht.“ In Proben von Steinobst und Zitrusfrüchten seien zehn verschiedene Rückstände festgestellt worden.

Herbizide, Fungizide, Insektzide – der Chemieeinsatz hat neue Höchststände erreicht. Rückstände von Planzenschutzmitteln hätten in Lebensmitteln nicht zu suchen, meinte Antje Degner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale in Rostock: „Unabhängig davon, wie hoch ein potenzielles Gesundheitsrisiko einzuschätzen ist, sollte die
Belastung mit Pestiziden so gering wie möglich sein.“ Die grünen Landtagsabgeordnete Ursula Karlowski forderte, die Verbraucher über den Pestizideinsatz besser aufzuklären.

Derweil kommt aber immer mehr Chemie auf die Felder. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Inlandsabsatz in Deutschland nach Behördenangaben um mehr als ein Fünftel auf 43 865 Tonnen im Jahr. Einzelne Kulturen würden bis 16mal während einer Vegetationsperiode gespritzt, kritisierte Tomas Brückmann, Pestizid-Experte des Bundes für Umwelt und Natur (BUND). Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat komme in der Landwirtschaft flächendeckend zum Einsatz. Rückstände davon seien im menschlichen Körper nachgewiesen worden – in 70 Prozent der Urinproben von Großstadtbewohnern, so eine BUND-Studie. Durch den massiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln seien inzwischen viele Lebensräume gefährdet. Untersuchungen von Kleinstgewässern hätten ergeben, dass von elf untersuchten Söllen acht mit Pestizid-Rückständen belastet waren. Auch seien Langzeitwirkungen bei Insekten, eine Abnahme der Brutvögel oder auch eine Beeinträchtigungen von Fröschen festgestellt worden.

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