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Brandstiftung bei Power for Kids : „Gewisse Geltungssucht“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mutmaßlicher Brandstifter schweigt vor Gericht. Er soll ein Feuer im vereinseigenen Gebäude gelegt haben

von
erstellt am 14.Nov.2017 | 20:55 Uhr

Wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung muss sich ein früherer Vorsitzender des umstrittenen Schweriner Jugendtreff-Vereins „Power for Kids“ vor dem Amtsgericht in der Landeshauptstadt verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat ihn angeklagt, im April 2016 in der Wohnung eines Bekannten in einem vereinseigenen Gebäude in Schwerin Feuer gelegt zu haben. Ihm die Tat nachzuweisen, ist seit heute schwieriger geworden, denn der Richter ließ wichtige Beweismittel vom Prozess ausschließen. Die Aufnahmen einer geheimen Überwachungskamera dürfen nicht verwertet werden. Die Polizei hatte die Kamera installiert, ohne sich die Genehmigung eines Richters zu holen.

Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft besuchte der 36-Jährige am 3. April 2016 einen Nachbarn, der im Erdgeschoss desselben Wohnblocks lebt. Weil dessen Sohn krank war, bat der Bekannte den Angeklagten um eine Fahrt zum Krankenhaus. Bevor sie losfuhren, ging der Ex-Vereinsvorsitzenden angeblich vom Auto aus zurück, um Zigaretten zu holen. Stattdessen soll er die Wohnung des Nachbarn aufgeschlossen haben, wo er unter dem Sofa Feuerzeuggas-Katuschen neben einem brennenden Teelicht platzierte und danach mit dem Nachbarn wegfuhr. Es vergingen keine zehn Minuten, bis eine Hausbewohnerin die Rauchmelder hörte und Alarm schlug.

Das Wohnzimmer brannte aus. Eine Nachbarin im Stockwerk darüber erlitt eine Rauchvergiftung. Die Höhe des Schadens, anfangs mit 80 000 Euro angegeben, war jedoch zu hoch gegriffen, so der Amtsrichter. Ein Kripobeamter berichtete als Zeuge, der Angeklagte sei schnell ins Visier der Ermittler geraten. Ein „großer Unbekannter“ hätte kaum Zeit gehabt, um in den wenigen Minuten zwischen der Abfahrt des Angeklagten und dem Alarm der Rauchmelder Feuer zu legen. Der Angeklagte hingegen hatte als Vereinsvorsitzender einen Generalschlüssel zu der Wohnung. Andere Schlüsselbesitzer hatten offenbar ein Alibi.

Außerdem stand der Angeklagte bei der Kriminalpolizei bereits längere Zeit unter Verdacht. Weil es fünfmal im Kelleraufgang des Hauses gebrannt hatte, versteckten die Ermittler eine Kamera im Treppenhaus. Ursprünglich wollte die Staatsanwaltschaft den Angeklagten auch für die Kellerbrände zur Verantwortung ziehen. Das Gericht lehnte ab, zu dünn war die Beweislage. Ein mögliches Motiv des Angeklagten, wenn er denn den Brand überhaupt gelegt hat, bleibt unklar. Manche Beobachter vermuteten einen versuchten Versicherungsbetrug, andere bescheinigten dem Angeklagten eine gewisse Geltungssucht. Der 36-Jährige war erst seit wenigen Monaten Vorsitzender des Vereins „Power for Kids“. Sein Vorgänger hatte sich an Kindern und Jugendlichen vergangen und wurde im Februar 2016 zu sechs Jahre und sechs Monate Gefängnis verurteilt. Im Zuge des Skandals kam der gesamte Verein in Verruf.

Mit dem Angeklagten an der Spitze versuchte er einen Neustart, der nach dessen Verhaftung ins Stocken geriet. Inzwischen heißt der Verein „Together MH“. Zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist er nach eigenen Angaben auf Distanz gegangen. Der Prozess wird nächsten Dienstag fortgesetzt.

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