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Minus 1,5 Prozent in MV : Gewerkschaften: Mitgliederzahl auf Tiefstand

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Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB Nord hat im vergangenen Jahr minimal Mitglieder verloren. Rund 0,8 Prozent weniger als Ende 2011. Den größten Rückgang mit 1,5 Prozent verzeichnete MV mit knapp 81 000 Mitgliedern.

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erstellt am 12.Apr.2013 | 06:36 Uhr

Schwerin | Der Mitgliederschwund der Gewerkschaften in MV kommt allmählich zum Stillstand: Im vergangenen Jahr verloren die acht Einzelorganisiationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Nordosten noch 1,5 Prozent ihrer Anhänger - der höchste Rückgang im Norden, aber weniger als in den Jahren zuvor, teilte der DGB gestern mit. Insgesamt zählen die Arbeitnehmervertreter in MV damit nur noch 80 922 Mitglieder - der tiefste Stand seit Jahren. Im Landesbezirk Nord fiel der Rückgang nur halb so stark aus. Trotz der sich verschärfenden Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten haben die Einzelgewerkschaften damit in den vergangenen zwölf Jahren in MV mehr als 40 Prozent ihrer Anhänger verloren. Nur 15 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind in MV organisiert. Da Minijobs, befristete Stellen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse zunehmen würden, sei die Mitgliederwerbung nicht leichter geworden, meinte DGB-Landeschef Uwe Polkehn gestern. Trotz einer alternden Erwerbsbevölkerung sei die Mitgliederentwicklung aber stabil, "der Rückgang der letzten Jahre wurde gestoppt."

Die Arbeitnehmervertreter schöpfen Hoffnung: Die Gewerkschaften seien attraktiver geworden, sagte Polkehn: "Wir verzeichnen wieder verstärkt Eintritte." Bundesweit würden täglich 1000 neue Mitglieder registriert. Der IG Metall traten beispielsweise im vergangenen Jahr im Norden insgesamt 1500 neue Anhänger bei, insgesamt zählen die Metaller damit jetzt 177 000 Mitglieder, 15 000 davon in MV. Vor allem Leiharbeitern und mehr junge Leute würden den Weg zur Gewerkschaft finden, hieß es. Gerade in "der Krise werden die Gewerkschaften als Solidargemeinschaft, Berater und Rechtsschutz gesucht", erklärte DGB-Chef Polkehn. Bundesweit nahm die Zahl der Mitglieder bis 27 Jahre um 3,6 Prozent zu. Im Norden ziehe es auch Angestellte wieder vermehrt in die Gewerkschaft, teilte die IG Metall mit - plus 4,2 Prozent im vergangenen Jahr. Bundesweit haben die DGB-Gewerkschaften im vergangenen Jahr 337 971 neue Mitglieder geworben - insgesamt sind es jetzt 6,15 Millionen.

Trotzdem verlieren die Gewerkschaft in MV an Einfluss: In den neuen Ländern nutzen nur noch 20 Prozent der Betriebe, im Westen 40 Prozent die Vorzüge von Tarifverträgen, ermittelte das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Selbst in tarifgebundenen Betrieben seien die Unterschiede zementiert: durchschnittlich zwei Stunden längere Arbeitszeiten in den neuen Ländern, ein Tag weniger Grundurlaub, Unterschiede bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Osten fehle es Tarifverträgen an Prägekraft, urteilte das Tarifarchiv.

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