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Prozess in Schwerin : Gewaltbereit und mit rechter Gesinnung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

44-Jähriger mit vielen Vorstrafen wegen „Sieg Heil“-Ruf und Körperverletzung vor Gericht.

von
erstellt am 13.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Weil er von seinem Balkon im ehemaligen Neubauviertel „Sieg Heil“ gerufen haben soll, muss sich ein 44-jähriger Schweriner vor dem Amtsgericht der Landeshauptstadt verantworten. Auch soll er eine Frau und einen Mann, die abends mit ihrem Hund unterwegs waren, verprügelt haben. Vor der Richterin gab sich der Angeklagte am Montag unschuldig.

Seine unnachgiebige Liebe zu einem Schweriner Fußballverein ist in heroischen Worten auf dem Rücken seines schwarzen Pullovers dokumentiert. Auf die Stirn hat sich der kräftige Angeklagte zudem einen Hinweis tätowieren lassen, der seine „kritische Distanz“ zur Polizei betreffen könnte. Die wahrt er am Rande von Fußballspielen jedoch nicht immer. Das lässt sich aus der langen Liste seiner Vorstrafen schließen, die die Strafrichterin während des Prozesses verlas. Zu den Delikten, die der Angeklagte über die Jahre begangen hat, gehört neben Betrug, Schwarzfahren und Beleidigungen auch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Auf der Liste steht ebenfalls, dass er bereits zweimal wegen des Verwendens von Nazi-Symbolen verurteilt wurde.

Ein drittes Mal habe er sich dessen nicht schuldig gemacht, beteuerte er am Montag vor Gericht. Er schaue gern Dokumentationen über das „Dritte Reich“ im Fernsehen – im Sommer auch bei offener Balkontür. Möglicherweise habe im Film gerade jemand den verbotenen Nazi-Gruß „Sieg Heil“ gegrölt, als im August 2015 ein ihm nicht wohlgesinnter Nachbar die Ohren spitzte. Als Zeuge bestand der Nachbar jedoch darauf, die Stimme des Angeklagten erkannt zu haben. Außerdem sei moderne E-Gitarren-Musik in dessen Wohnung zu hören gewesen. Solche Instrumente hätten die Nazis nicht gehabt. Letztlich gehe es ihm auch nicht um die rechtsextremen Sprüche. Als frühaufstehender Handwerker wolle er lediglich seine Ruhe haben.

Gravierender als der „Sieg Heil“-Ruf ist der Vorwurf der Körperverletzung, der dem Angeklagten zur Last gelegt wird. Im November 2015 soll er zusammen mit einem Kumpel eine Frau und einen Mann angegriffen haben. Der Mann kam mit gebrochener Nase ins Krankenhaus, die Frau holte sich schwere Schürfwunden. Deren Hund, wahrscheinlich ein Rottweiler, sei nicht angeleint gewesen und an ihm hochgesprungen, erklärte der Angeklagte der Richterin. Er habe das Paar auf die Leinenpflicht hingewiesen, aber die Frau sei auf ihn losgegangen. Daraufhin habe er sie, so behauptete er, eher sanft von sich geschoben, wobei sie wohl gestolpert sei. Sein Kumpel sei es gewesen, der dem Mann die Faustschläge ins Gesicht versetzte. Warum es dazu kam, wisse er nicht.

Das Paar hingegen berichtete von grundlosen Pöbeleien des Angeklagten und seines Freundes, der inzwischen wegen anderer Vorwürfe in Untersuchungshaft sitzt. Die Verletzungen seien auf Fausthiebe des Angeklagten zurückzuführen. Auch sei ihr Hund angeleint gewesen. Dabei handelte es sich übrigens um einen harmlosen acht Monate alten Labrador-Welpen. Da eine Zeugin trotz Vorladung nicht kam, musste die Richterin ihre Entscheidung vertagen. Sie soll in zwei Wochen fallen.

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