Sollen Ex-Schlecker-Mitarbeiter Erzieher werden? : GEW warnt vor Schmalspur-Umschulungen

Foto: dapd
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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in MV kritisiert den Trend zu Schmalspur-Umschulungen für den Erzieher-Beruf. Denn Kindertagesstätten seien keine Verwahranstalten, sondern Bildungseinrichtungen.

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12. Juli 2012, 08:15 Uhr

Schwerin | Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert den zunehmenden Trend zu Schmalspur-Umschulungen für den Erzieher-Beruf. "Kindertagesstätten sind keine Verwahranstalten, sondern Bildungseinrichtungen", betonte gestern Daniel Taprogge, Kita-Experte der GEW. Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren hätten gezeigt, dass die Qualifizierung bei der Umschulung oft nicht ausreichend sei. Die jetzt von der Bundesagentur für Arbeit geplante Forcierung der Umschulung von Langzeitarbeitslosen zu Erziehern sei deshalb der falsche Ansatz, so lange die Qualifizierung nicht auf ein höheres Niveau gehoben werde.

Die Probleme aus Sicht der GEW: Während die normale Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher im Nordosten je nach Schulabschluss zwischen drei und vier Jahre dauert, betrage die Umschulungszeit bislang nur zwei Jahre, so Taprogge: "Das ist viel zu kurz." Da rüber hinaus würden die Umschüler nicht an den Fachschulen im Land, sondern von Bildungsträgern qualifiziert, die dafür in der Regel nicht die notwendigen Kompetenzen hätten. Die Folge: Wenn die Umschüler nach zwei Jahren zumindest ihre Abschlussprüfung an einer staatlichen Schule ablegen müssen, ist die Durchfallquote hoch, wie Taprogge berichtet. Die Kollegen an den Fachschulen seien zudem durch die stark wachsende Zahl der so genannten Nichtschüler bei den Prüfungen so überlastet, dass die Wartezeiten immer länger würden.

Tatsächlich hat sich die Zahl der zu prüfenden Umschüler seit 2007 fast verdreifacht. Das belegt die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Landtag. Demnach haben sich im Schuljahr 2011/2012 insgesamt 304 "Nichtschüler" zur Prüfung angemeldet. Vier Jahre zuvor waren es dagegen noch 112.

Dabei zeichnet sich eine widersprüchliche Entwicklung ab: Während die Zahl der Umschüler steigt, werden Bewerber für die reguläre Erzieherausbildung kräftig ausgesiebt, weil es nicht genügend Plätze gibt, wie Taprogge kritisiert. "Wir brauchen dringend eine Ausweitung der Fachschulplätze." Das fordert auch die Linksfraktion. Darüber hinaus appellieren GEW und Linke an das zuständige Bildungsministerium, endlich eine verlässliche Ausbildungsplatzplanung vorzulegen.

Grundsätzlich spricht sich die Gewerkschaft für eine engere Kooperation zwischen Hoch- und Fachschulen aus. Letztlich müsse die Erzieher-Ausbildung gemäß europäischen Standards zu einer Hochschulausbildung gemacht werden, so Heike Schweda vom Vorstandsbereich Jugend und Soziales der Landes-GEW. Es könne nicht sein, dass Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Notsituation beispielsweise der Schlecker-Mitarbeite rinnen ausnutze, um über politische Versäumnisse hinweg zu täuschen.

Die Bundesagentur für Arbeit will ingesamt 5000 Arbeitslose zu Erziehern ausbilden. Darunter könnten auch ehemalige Beschäftigte der insolventen Drogerie-Kette Schlecker sein, hieß es. In der Landespolitik ist darüber ein Streit entbrannt. Während Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) die Pläne begrüßt und eine Ausweitung auf andere Berufe vorschlägt, kritisiert Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD), dass in erster Linie nur Langzeitarbeitslose qualifiziert werden sollen. Auch dürften bei der Qualifikation keine Abstriche gemacht werden, warnt die Ministerin.

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