Mecklenburg-Vorpommern : Getrübte Freude

Fast jeder fünfte in Deutschland gefangene Süßwasserfisch kommt aus Mecklenburg-Vorpommern.
Fast jeder fünfte in Deutschland gefangene Süßwasserfisch kommt aus Mecklenburg-Vorpommern.

Die zunehmende Besinnung auf gesunde Ernährung beschert den Binnenfischern einen guten Absatz – doch es gibt auch Probleme

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10. März 2015, 08:00 Uhr

Die Binnenfischer in Mecklenburg-Vorpommern profitieren von der anhaltend guten Nachfrage nach Fisch. „Unser Absatz ist gesichert. Wir haben eher zu wenig als zu viel im Angebot“, sagte der Präsident des Landesverbandes für Binnenfischerei, Ulrich Paetsch, gestern auf der Jahresverbandstagung in Waren/Müritz. Doch trübten Auseinandersetzungen mit dem Landesrechnungshof um den Mitteleinsatz aus der Fischereiabgabe, steigende Futterkosten, Umweltauflagen und Bestandsdezimierungen durch den Kormoran die Bilanz.

Kritisch sieht Paetsch auch den Druck auf die Fischereibetriebe, sich als nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zertifizieren zu lassen und dann über Jahre Gebühren entrichten zu müssen. „Viele Betriebe werden über Generationen hinweg von Familien geführt, die davon leben. Da macht keiner die Bestände kaputt“, betonte der Fischer. Einen Vermarktungsvorteil, wie etwa beim Verkauf von Fisch aus der industriellen Hochseefischerei im Handel, ergebe sich für die Binnenfischer nicht. „80 bis 90 Prozent unserer Fänge vermarkten wir selbst, und meist auch in der jeweiligen Region.“

Als erfreulich wertete Paetsch, dass neben Zander, Hecht und Barsch inzwischen auch Weißfische zunehmend Käufer fänden. „Filetiert als Backfisch gibt es auch keine Probleme mehr mit den Gräten“, erklärte er. Zudem zeichne sich beim Aal – wegen illegaler Fänge der jungen Glasaale im Meer akut gefährdet – eine positive Tendenz ab.

Doch warnte der Verbandschef das Agrarministerium in Schwerin davor, die staatlichen Finanzhilfen für den Aalbesatz in den Seen zu senken. „Damit würde die leicht positive Entwicklung, die wir bei dieser sehr gefragten Fischart endlich haben, aufs Spiel gesetzt und der Erfolg des bundesweiten Managementplans gefährdet.“ Bislang erhielten die Fischer für den Kauf des Aalnachwuchses von Land und EU 250 000 Euro im Jahr. 50 000 Euro brächten die Fischer selbst auf. Bei sinkender Förderung drohe der Besatz zurückzugehen, was auch Folgen für die natürliche Reproduktion habe, betonte Paetsch. Fachleute gingen davon aus, dass etwa 40 Prozent der eingesetzten Tiere abwanderten.

In Mecklenburg-Vorpommern bewirtschaften nach Angaben des Agrarministeriums 48 Fischereiunternehmen mit rund 280 Beschäftigten zusammen 65 000 Hektar Binnengewässer. Die jährliche Fangmenge liegt bei rund 550 Tonnen. Das sind etwa 18 Prozent des Fischs aus deutschen Binnengewässern. 

Diebe stehlen 14 Tonnen Fisch
Unbekannte haben einen Fischer von der Insel Rügen um einen großen Fang gebracht. Wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei Sassnitz gestern erklärte, zerstörten die Täter  am Wochenende im Hafen bei Vorwerk nahe Sagard ein so genanntes Hälternetz, in dem rund 14 Tonnen Fisch gefangen gewesen sein sollen. Die Fische konnten alle in den Großen Jasmunder Bodden entkommen, der Fischer gab den Wert des verlorenen Inhaltes mit rund 15 000 Euro an. In Hälternetzen werden Fische im Wasser gehalten, bis der gesamte Fang abtransportiert wird.
 

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