Getreidequalität wird nicht optimal

Auf leichten Böden ist in der zurückliegenden Woche die Gerste  bereits geerntet worden. Foto: Simone Herbst
Auf leichten Böden ist in der zurückliegenden Woche die Gerste bereits geerntet worden. Foto: Simone Herbst

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19. Juli 2012, 09:34 Uhr

Parchim | Die Ernte hat gerade erst begonnen und mit Prognosen halten sich die Bauern natürlich noch bedeckt. Dennoch geht Heike Kasten, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Parchim, davon aus, "dass es ein besseres Jahr wird als 2011". Wozu nicht viel gehört. Vielleicht erinnern Sie sich? Das Frühjahr und der Sommer waren total trocken, und dann, als die Ernte beginnen beginnen sollte, kam der Regen, so dass es nur schwer bis gar nicht auf die Äcker ging. 2011 sei kaum zu toppen, dennoch " auch wenn es sicher besser wird, gehe ich auch in diesem Jahr von einer unterdurchschnittlichen Ernte aus", so Kasten.

"Alles hat gelitten", zieht auch Frank Piehl, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbandes ein erstes Fazit. Auf den leichteren Böden noch mehr als auf den schweren. "Die Qualität des Getreides wird aus heutiger Sicht nicht optimal werden", sagt Piehl.

Wobei sich das ändern könne, sobald die Maschinen erst auf die schweren Böden gingen. Der Boden sei hier besser, insofern auch das Korn und damit der Ertrag. Piehl, vom Landwirtschaftsbetrieb Klaus Piehl in Alt Schlagsdorf, weiß noch nicht, wann das sein wird. "Wir haben bisher nur Handproben genommen, und da lag der Feuchtigkeitsgehalt schon bei 17 fast 18 Prozent. Beim Drusch kann man gut noch ein Prozent drauf tun." Zuviel, denn bei einem Feuchtigkeitsgehalt von über 14,5 Prozent muss das Getreide in die Trocknung - was zusätzliche Kosten bedeutet.

Insgesamt 16 000 Hektar Gerste im Landkreis müssen jetzt runter. Und abhängig von aber ungeachtet des Wetters geht es in den nächsten Wochen weiter mit 35 000 Hektar Winterweizen, müssen 31 500 Hektar Roggen gedroschen und 29 000 Hektar Raps abgeerntet werden. Wie viel Hektar Mais es landkreisweit sind, geben die Zahlen des Verbandes momentan nicht her. Definitiv werden es mehr als im vergangenen Jahr sein, als es 23 000 Hektar waren. Auch das hänge mit den schlechten Erntebedingungen im vergangenen Jahr zusammen, die durchschlagen in die laufende Saison, erklärt Piehl. Weil der Weizen zu erst viel zu spät eingefahren werden konnte, war die Drillzeit für den Raps verstrichen. Deshalb haben viele Betriebe stattdessen Mais auf die Flächen gebracht.

Indiz dafür, dass es ein schlechtes Erntejahr werden könnte, ist auch der Markt. "Im Moment explodieren die Preise", sagt Heike Kasten. Was mit der aktuellen Trockenheit in Amerika und Russland und der weltweiten wirtschaftlichen Vernetzung zusammenhänge. Wenn die Bauern dann für den Doppelzentner 1,50 Euro mehr bekommen, zahlen sie zwei Euro für etwa für den Dünger. Denn der Getreidemarkt funktioniert nicht losgelöst vom Handel.

Frank Piehl: "Die Leute hören immer nur, die Bauern kriegen Geld, Förderung, Prämien… Dabei sind wir schon froh, wenn wir unterm Strich schwarze Zahlen schreiben."

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