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Sportpsychologe im Interview : Geteiltes Leid ist halbes Leid

vom
Aus der Onlineredaktion

Sportpsychologe Dr. Tom Kossak: Eine gute Stimmung im Team kann auch über Misserfolg hinwegtrösten

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 06:25 Uhr

Trotz aller Niederlagen– an Aufgabe denkt der FC Tramm nicht. Dafür gibt es Gründe, wie Dr. Tom Kossak (Foto) weiß. Kossak ist Psychologe mit dem Schwerpunkt Sportpsychologie im Spitzensport. Er coachte bereits Leistungssportler und Trainer des Deutschen Skiverbandes, Eishockey-Bundes oder des Kanu-Verbands. Im Gespräch mit SVZ-Redakteur Hans Taken spricht der 33-jährige Münchner über Emotionen, Teamgeist und Motivation.

Pleite um Pleite – und ein Erfolgserlebnis ist nicht in Sicht. Warum tun sich die Trammer das an?

Dr. Tom Kossak: Im Falle des FC Tramm könnte eine „Jetzt-erst-recht-Haltung“ entstanden sein. Je größer die Kritik von außen, desto stärker wird der Traum, einmal ein Spiel zu gewinnen. Und einen Titel hat der FC ja auch schon: „Das schlechteste Fußballteam Deutschlands“. Auch das ist eine Auszeichnung, die zu Aufmerksamkeit führt.

Lässt es sich in der Gruppe leichter verlieren als alleine  ?

Je mehr Kritik von außen kommt, desto mehr kann der Zusammenhalt nach innen gestärkt werden. Zudem kann es sich gut anfühlen, wenn man in schwierigen Situationen nicht allein dasteht. Zu merken, dass man im Team einen guten Umgang mit der Erfolglosigkeit findet, kann die Gruppe zusammenschweißen. Geteiltes Leid ist bekanntermaßen halbes Leid.

Wie können sich Spieler motivieren, die ständig verlieren?

Anders als im Leistungssport steht im Breitensport der Erfolg der Gruppe deutlich stärker im Fokus. Eigene Befindlichkeiten geraten in den Hintergrund. Es geht vor allem darum, gemeinsam Spaß zu haben. Alle Beteiligten sind daran interessiert, eine gute Zeit miteinander zu haben und kümmern sich deshalb viel mehr um die Stimmung im Team. Eine gute Team-Stimmung kann dann auch über Misserfolge hinwegtrösten.

Ab wann wird das Verlieren zum Problem?

Dann, wenn das, was wir tun, für uns eine hohe Relevanz hat und wir es nicht schaffen, das von uns gesteckte Ziel zu erreichen. Gewinnen oder verlieren – wenn wir das Gefühl entwickeln, dass dies vom reinen Zufall bestimmt wird und jegliche Bemühung, das angestrebte Ziel zu erreichen keinen Effekt hat, dann können wir die Bemühung einstellen. Es entsteht ein Gefühl von Hilflosigkeit und wir haben keinen Einfluss auf die Handlung. Das ist nicht nur im Sport ein Motivationskiller.

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