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Wirtschaft : Geteiltes Echo in MV auf neue Stromnetz-Abgaben

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Hohe Netzentgelte sorgen bislang vor allem im Nordosten Deutschlands für hohe Stromkosten. Nun sollen die Gebühren für die Nutzung der Leitungen vereinheitlicht werden - mit Einschränkungen.

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 20:45 Uhr

Die vom Bundestag verabschiedete schrittweise Vereinheitlichung der Netzentgelte hat am Freitag in Mecklenburg-Vorpommern ein geteiltes Echo hervorgerufen. Der Gesetzesänderung zufolge sollen die Gebühren, die etwa ein Viertel des Strompreises ausmachen und regional sehr unterschiedlich ausfallen, von 2019 an bis 2023 bundeseinheitlich angeglichen werden.

Gerade für Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern sei die Entscheidung „ein richtiger und wichtiger Schritt“, da sie durch hohe Entgelte besonders stark betroffen seien, sagte der CDU-Politiker Wolfgang Waldmüller. Mit der bundesweiten Angleichung werde eine faire Lastenverteilung auf alle Stromkunden erreicht.

Linke, Grüne und FDP hingegen sehen die Gesetzesänderung, die noch durch den Bundesrat muss, kritisch. Die energiepolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Mignon Schwenke, sprach von einem faulen Kompromiss. Sie forderte eine „sofortige bundesweite solidarische Wälzung der Netzentgelte“. Ein solch konsequenter Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit bei der Energiewende sei längst überfällig. Zudem bestehe das starke Gefälle bei den Netzkosten zwischen Land und Stadt auch nach der Reform fort.

Grünen-Landeschef Johann-Georg Jaeger sprach ebenfalls von einem schlechten Kompromiss. Die Reform ziele nur auf bundeseinheitliche Entgelte bei den Übertragungsnetzen, nicht aber auf die Verteilnetze, die wegen des hohen Kostenanteils „spielentscheidend für die Stromverbraucher in den ländlichen Räumen“ seien. „Fair wären also vor allem komplett einheitliche Netzentgelte. Doch diese Chance wurde gerade verpasst“, sagte Jaeger. Zudem drohe durch den künftigen Bau neuer, teurer Hochspannungsleitungen im Westen und Süden dann auch im Osten eine weitere Erhöhung der - dann bundesweiten - Netzentgelte.

Auch FDP-Landesvize Michael vom Baur befürchtet weiterhin überdurchschnittlich hohe Lasten für Stromverbraucher in Mecklenburg-Vorpommern. Der „Haupttreiber“ bleibe bestehen: „Die hohen Kosten im Verteilnetz entstehen durch den lokalen Anschluss von immer mehr EE-Anlagen (etwa Windräder und Solaranlagen)“, erklärte der FDP-Politiker. Er mahnte eine Drosselung der Ausbaupläne des Landes für Windkraftanlagen an. Schon jetzt sorge überschüssiger Windstrom wegen der nötigen Netzregulierungen für hohe Zusatzkosten.

Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet neben Brandenburg bislang die höchsten Netzentgelte. Vor allem Bewohner ländlicher Regionen werden über Gebühr belastet und müssen mitunter fast 12 Cent je Kilowattstunde zahlen. Experten zufolge beträgt der durchschnittliche Netznutzungspreis bundesweit in diesem Jahr 8,20 Cent je Kilowattstunde. Die niedrigsten Netzentgelte fallen demnach bei der Bonn-Netz GmbH mit 4,27 Cent je Kilowattstunde an.

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