Nach SVZ-Bericht : Geteiltes Echo auf Federau-Geschichte

Petra Federau  schweigt zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen.
Petra Federau schweigt zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen.

Reaktionen auf Escort-Vergangenheit von Schweriner AfD-Stadtvertreterin

svz.de von
15. März 2016, 20:55 Uhr

Der Bericht unserer Zeitung über die frühere Tätigkeit der AfD-Stadtvertreterin und Landtags-Kandidatin Petra Federau hat erwartungsgemäß ein geteiltes Echo hervorgerufen.

AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm zeigte sich überrascht und bekundete Gesprächsbedarf: „Von dieser Sache habe ich vorher nichts gewusst.“ An sich sei daran nichts verwerflich. „Escort-Service gibt es hierzulande auch. In aufgeklärten Zeiten ist das nichts, was man kriminalisieren müsste.“ Holm sieht auch keinen Widerspruch zu Federaus politischen Ansprüchen: „Welcher Anspruch soll das sein?“ Ein Vergleich mit Crystal Meth oder Kinderpornos gehe natürlich nicht. „Das sind Sachen, die verboten sind.“

Der Schweriner CDU-Fraktionschef Sebastian Ehlers staunte: „Wenn sich das alles bewahrheitet, wäre das ein Zeichen von Doppelmoral. Denn das Familienbild, das Frau Federau uns in der Stadtvertretung zeigt, ist ein ganz anderes.“ Er meinte, Federau solle sich selbstkritisch hinterfragen. „Solch Verhalten in der Vergangenheit stünde im krassen Widerspruch zu den Wertvorstellungen, die sie sonst so gern öffentlich vorträgt.“

Grünen-Stadtvertreterin Cornelia Nagel sieht das anders: „Wenn die Vorwürfe stimmen, wäre das moralisch bedenklich, denn dann hätte Frau Federau offenbar andere Frauen bewusst gefährdet.“ Einen vernünftigen Beitrag zur Stadtpolitik habe sie von Frau Federau aber ohnehin noch nie erlebt, so Nagel. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Stadtparlament, Henning Förster, erklärte: „Es ist an Heuchelei kaum zu überbieten, wenn AfD-Stadtvertreterin Federau einerseits öffentlich ihre Sorge vor Übergriffen arabischer Männer auf Frauen hierzulande artikuliert und andererseits selbst Frauen für ihre zwielichtigen Geschäfte in Ländern der arabischen Welt missbraucht.“

Auf unserem Facebook-Profil sorgte die Nachricht für viele Kommentare – weniger gegen Petra Federau, eher gegen unsere Zeitung als Überbringer der Nachricht. Darunter wie üblich teils unflätige Äußerungen, aber auch eine Vielzahl von Kommentatoren, die mit Verständnis für Federau auf Fehltritte von Politikern etablierter Parteien verwiesen, die sich sogar Straftaten schuldig gemacht hätten. So meint Martina Lucke etwa zu den Strafbefehlen gegen Sachsen-Anhalts AfD-Chef Andre Poggenburg: „Ja, das ist schon ein anderes Kaliber als der Escortservice von Frau Federau (weil es gesetzeswidrig ist). Im Übrigen gab’s davor eine ähnliche Affäre mit einem CDU-Politiker in Sachsen-Anhalt. Das ging genauso durch die Presse (merke: Die CDU. Regiert bei uns)“. Alexandra Palletschek dagegen fragt: „Wo ist denn das Problem? Jeder hat sein Päckchen von damals zu tragen und jeder hat aber auch eine Chance verdient sich zu ändern. Was hat die Vergangenheit mit der Zukunft zu tun?“

Nur wenige Kommentatoren reflektierten den Zusammenhang zwischen mutmaßlicher früherer Tätigkeit und aktuellen Positionen, die Federau postuliert. Frank Ahlers fand es „recht amüsant, wie Partei für die Frau ergriffen wird und wie auf die Medien losgegangen wird. Fakt ist doch, und man möge mich eines Besseren belehren, bisher haben sich die Medien auf alles gestürzt wenn es um die Veröffentlichung von Missständen oder Ungereimtheiten irgend eines Politikers oder Prominenten ging.“

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