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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 11:33 Uhr

Saisonstart : Gesundes in Flaschen gepresst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kleine Mostereien starten Saison. Immer mehr Verbraucher lassen ihre Gartenfrüchte zu Saft pressen

von
erstellt am 02.Sep.2014 | 11:50 Uhr

Ein Duft von frischen Äpfeln zieht durch die Mosterei Ahrensboek bei Cambs vor den Toren Schwerins. Christine Zumstrull beobachtet, wie die Früchte ihres 30 Jahre alten Apfelbaums der dänischen Sorte „Filippa“ durch die Presse wandern und naturtrüber Saft in Vakuumbeutel fließt. Knapp 50 Kilo Obst brachte sie mit, die ergeben 36 Liter. „Tolle Ausbeute“, sagt die Hobbygärtnerin.

Mostereigründer Mirko Lunau, promovierter Meeresbiologe, betreibt zusammen mit Hartmut Heldt die Mosterei samt eigenem Bioobstanbau und Imkerei im dritten Jahr.

In MV schießen kleine Saftpressen und mobile Verarbeiter wie Pilze aus dem Boden. Es gebe einen regelrechten Boom, beobachtet Lunau. Konkurrenz aber fürchte er nicht. „Mit dem Angebot wächst der Bedarf. Die Leute werden bewusster, viele wollen selbst bestimmen, was sie essen und trinken.“

Nach etlichen Lebensmittelskandalen hätten immer mehr Verbraucher die Massenwaren satt. So ließen Gartenbesitzer wieder öfter die eigenen Früchte verarbeiten. Dabei schwört Mirko Lunau auf die dezentrale handwerkliche Mosterei. Bei kurzen Transporten kämen die Äpfel quasi vom Baum in die Presse.

Der Saft – sortenrein oder gezielt gemischt – werde einmal gefiltert und nur kurz auf 78 Grad erhitzt. Ein Großteil der wertvollen Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralien und Nährstoffe blieben so erhalten. Eine enorme Vielfalt diverser Geschmacksrichtungen könne erzielt werden. „Saft ist eben nicht gleich Saft“, meint der Moster.

Das Angebot der vielen kleinen Keltereien kommt auch der Landschaftspflege zugute. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) können seltene Streuobstwiesen nur überleben, wenn die Gärtner das Obst auch verarbeiten. Schätzungen der Streuobstbestände gehen in MV von maximal noch 2000 und bundesweit von 300 000 Hektar aus. Der Pflege und Nutzung solch alter Baumbestände und Alleen haben sich etwa Mostereien in Schönwolde und Kneese im Biosphärenreservat Schaalsee sowie eine Neugründung in Klütz (Nordwestmecklenburg) verschrieben. Bereits seit 1978 besteht die Satower Mosterei bei Rostock. Seit sieben Jahren nimmt das Familienunternehmen seinen Kunden mit einer mobilen Mosterei weite Weg ab. Die moderne Bandpresse kann stündlich eine Tonne Äpfel zu 700 bis 800 Liter Saft verarbeiten, wie Juniorchef Benjamin Peters sagt.

Auch für Vera Peckermann von der Lohnmosterei Gädebehn bei Neubrandenburg ist die Rückbesinnung auf die Früchte vor der eigenen Haustür echte Geschmackssache. Ab Anfang September rollten die Kleingärtner der Umgebung ihr Obst an, neben Äpfeln auch Birnen, Beeren, Pflaumen. Die Leute hätten ihre Früchte selbst gehegt und gepflegt, daher wüssten sie am Ende genau, was sie sich zum Trinken ins Glas einschenken.

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