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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 05:10 Uhr

Ökologie : Gesunde Kost für Bienen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landtag stimmt Hilfspaket zu. Grüne scheitern mit Agrochemie-Verbot.

svz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 07:50 Uhr

Mittagstisch für 22 000 Bienenvölker in MV: Zusätzliche Blühflächen auf dem Acker, höhere Fördersätze für das Ausbringen insektenfreundlicher Saaten, ein Bienenweidekatalog, mehr Bildungsarbeit an Schulen – mit einem Maßnahmepaket will Mecklenburg-Vorpommern das Nahrungsangebot und die Lebensbedingungen für Bienen verbessern. Nach einem Änderungsantrag der Grünen stimmte der Landtag gestern fraktionsübergreifend einem entsprechenden Antrag der Regierungskoalitionen zu. Allein die Linken enthielten sich.

Den Bienen geht die Nahrung aus: Änderungen der Fruchtfolge auf den Äckern habe das Angebot für die Insekten deutlich reduziert, kritisierte Torsten Ellmann, Chef des Landesimkerverbandes MV. Nach der Massentracht zur Rapsblüte fehle es an ausreichender Nahrung, um die Bienen zu versorgen. Raps, Senf, Klee: „Das gibt es nicht mehr. Die Vielfalt ist weg.“ Das setze den Bienen immer stärker zu, verringere die Vitalität der Völker und schwäche ihren Gesundheitszustand. Der sei ohnehin durch einen sehr starken Befall durch die Varroamilben u. a. in Vorpommern-Greifswald, auf Rügen, in Neubrandenburg, Wismar und auch in Ludwigslust und Nordwestmecklenburg bereits beeinträchtigt. Mit einem besseren Nahrungsangebot kämen die Bienen mit dem Milbenbefall aber besser zurecht, sagte Ellmann. Die Lage der Bienen sei eines der meist unterschätzten Umweltprobleme, sagte die Grünen-Abgeordnete Ursula Karlowski: „Es ist vor allem die industriell betriebene Landwirtschaft mit einem immer noch gewaltigen Einsatz von Agrochemikalien, die den Bienen zusetzt und sie vergiftet.“

Das Land springt den 1800 Imklern in MV jetzt zur Seite: Bienen seien für die Menschen eine wichtige Lebensgrundlage, begründete SPD-Abgeordnete Thomas Krüger die Hilfe. „Sie bestäuben die allermeisten Wild- und Kulturpflanzen und verhelfen ihnen so zur Frucht und dienen der Arterhaltung.“ Die Flora sei zu 80 Prozent auf Insektenbestäubung angewiesen, die zu 75 Prozent durch Honigbiene erfolge, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Der wirtschaftliche Nutzen der Bienen wird auf vier Milliarden Euro geschätzt.

Mit dem Bienen-Hilfspaket will das Land jetzt den Förderetat aufstocken. Bislang war Landwirten für Blühflächen je Hektar 540 Euro überwiesen worden – für bis zu zwei Hektar. Das solle aufgestockt werden – auf 680 Euro je Hektar, für maximal fünf Hektar je Betrieb, kündigte Backhaus an. Zudem solle mit dem Landtagsbeschluss geprüft werden, Flächen von Solaranlagen künftig aus Bienenweide herzurichten. Allerdings: Ein in einem Änderungsantrag der Grünen gefordertes Verbot von Agrarchemikalien, die den Bienen schadeten, scheiterte an der Koalitionsmehrheit.

Imker Ellmann begrüßte den Landtagsbeschluss dennoch: Das Bienenweideprogramm werde von den Landwirten sehr gut angenommen. „Das ist ein Anfang.“ Jetzt müssten Städte und Gemeinden, aber auch Kleingarten-sparten nachziehen. Ellmann: „Wir brauchen nicht überall englischen Rasen, stattdessen bunte Städte mit Blühflächen.“

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