zur Navigation springen

Einwanderung : Gesucht: Pflegeeltern für Flüchtlingskinder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zunehmend kommen Minderjährige aus Kriegsgebieten ohne Eltern nach MV

von
erstellt am 20.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Kinder und Jugendliche aus Kriegsgebieten kommen ohne Eltern zunehmend auch in Mecklenburg-Vorpommern an. Das Sozialministerium will die Jugendämter bei der Suche nach Pflegeeltern unterstützen.

64 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wurden im vergangenen Jahr bis zum 30. November von den Jugendämtern des Landes in Obhut genommen. Das waren dreimal mehr als noch 2013, geht aus den Antworten des Sozialministeriums auf zwei Kleine Anfragen der Grünen und der Linken im Schweriner Landtag hervor.

„Die unbegleiteten Flüchtlingskinder sind besonders traumatisiert von Krieg, Terror und Flucht, sie leiden massiv unter der Trennung von ihren Familien“, sagte Jacqueline Bernhardt, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag. Das jüngste Kind ist erst sieben Monate alt.

Allein aus Syrien kamen 16 der minderjährigen Flüchtlinge, 15 haben in Afghanistan ihre Heimat. Weitere Herkunftsländer sind Eritrea, Somalia, Ukraine, Ghana, Pakistan und Libyen.

„Oft reichte das Geld nicht für die Flucht der ganzen Familie, so wollen die Eltern zumindest ihre Kinder retten“, sagte Ulrike Seemann-Katz, Vorsitzende des Flüchtlingsrates MV. In anderen Fällen sind Mutter und Vater nach Kriegshandlungen verschollen oder wurden getötet. „Auch wurden Familien während der Flucht auseinandergerissen“, so Frau Seemann-Katz weiter.

Das Jugendamt Ludwigslust-Parchim betreut den Großteil der Flüchtlingskinder. Denn die meisten von ihnen wurden in der Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber in Nostorf/Horst das erste Mal registriert.

Etwa 40 Kinder und Jugendliche wurden 2014 in Ludwigslust-Parchim aufgenommen und auf stationäre Einrichtungen der Jugendhilfe im Kreis aufgeteilt. „Wir stoßen an unsere Grenzen“, sagte gestern Jürgen Hienzsch, stellvertretender Fachdienstleiter Jugend, in Parchim. Eine Möglichkeit der Entlastung wäre die Aufnahme von Kindern bei Pflegeeltern. „Die Übernahme einer Pflegschaft ist eine geeignete Hilfeform, besonders für jüngere Kinder“, heißt es auch in einem Schreiben aus dem Sozialministerium. Konkrete Überlegungen gibt es dort aber noch nicht.

Die Grünen im Landtag fordern unter anderem eine zentrale Clearingstelle des Landes. „Die Stelle muss Nachforschungen zu den Eltern anstellen und sich um die gesundheitliche und psychosoziale Versorgung der Flüchtlingskinder kümmern“, so die sozialpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Silke Gajek.

Morgen beschäftigt sich der Sozialausschuss des Parlaments mit dem Thema.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen