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Landgestüt Redefin : Gestüt feiert 200. Jubiläum

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Kostenkrach im Jubiläumsjahr: Das historische Landgestüt Redefin wird 200 Jahre alt. Doch für das verlustreiche Gestüt muss das Land deutlich tiefer in die Tasche greifen als bisher bekannt.

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2012 | 07:34 Uhr

Schwerin | Kostenkrach im Jubiläumsjahr: Für das verlustreiche Landgestüt Redefin muss das Land deutlich tiefer in die Tasche greifen als bisher bekannt. Bis 2016 sollen in der historischen Anlage 17 Millionen Euro investiert werden - sieben Millionen Euro mehr als 2008 vom Kabinett beschlossen. Neue Ställe, eine Multifunktionshalle, die Sanierung des historischen Landstallhauses: Die Investitionen seien notwendig, "um dem Landgestüt langfristig eine Perspektive zu geben", erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin. Ohne die Investitionen könne das Gestüt die jährlichen Verluste nicht reduzieren. Das wird teuer: Vorerst muss das Land mindestens drei Jahre länger für höhere Verluste geradestehen, als vor Jahren geplant. Das Land zahle derzeit einen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro, erklärte Backhaus. Erst nach Abschluss der Investitionen 2016 könne der Verlustausgleich abgesenkt werden. Im bisherigen Sanierungskonzept war vorgesehen, bereits 2013 den Verlustausgleich des Landes von einst 1,1 Millionen auf 760 000 Euro zu reduzieren. Bis zum Herbst solle das Sanierungskonzept überarbeitet werden. Die Kostenprüfungen des Landesrechnungshofes und Umplanungen hätten die Investitionen im Gestüt bislang allerdings verzögert, so Backhaus. Zudem hätten u. a. Preissteigerungen und Denkmalschutzauflagen die Kosten erhöht. Jetzt beginne die Investitionsstrategie, Kompetenzzentrum zu werden, aber zu greifen, meinte Backhaus.

Die Kostenexplosion bringt indes die Opposition auf: Bündnis 90/Grüne stellten gestern die Landesfinanzierung des Gestüts infrage. Pferdezucht sei keine wichtige Landesaufgabe. Johannes Saalfeld, finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion: "Warum müssen wir jedes Jahr mit Millionenbeträgen die Zucht von Pferden finanzieren, wenn gleichzeitig Geld für Schulen und für Theater sowie Orchester fehlt?" Nach Berechnungen der Grünen sind seit 1993 über 35 Millionen Euro nach Redefin geflossen. Zwar sollte Landeszuschuss für den Verlustausgleich schrittweise reduziert werden. Stattdessen steige aber der Zuschuss jährlich. "Kulturlos", wehrte Landwirtschaftsminister Backhaus (SPD) die Kritik ab. Ein Zuschuss von umgerechnet weniger als einem Euro je Einwohner sei "berechtigt", die in dieser Form einmalige unter Denkmalschutz stehende, funktionierende Gesamtanlage zu erhalten. Das Gestüt war 1812 von Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin gegründet worden. Zum Auftakt der Jubiläumsfeiern in diesem Jahr wurde gestern in Schwerin das Buch "Leistung aus Tradition - 200 Jahre Landgestüt Redefin" des Historikers Wolf Karge vorgestellt. In den nächsten Monaten lädt das Gestüt neben dem Pferdefestival, mehreren Picknick-Pferde-Sinfoniekonzerten am 9. September zu einer Jubiläums-Hengstparade ein. In den vergangenen 200 Jahren habe sich das Gestüt mit damals vier Mitarbeitern zur größten Pferdesausbildungsstätte in MV mit 40 Beschäftigten und jährlich 80 000 Besuchern entwickelt - zu "einem Kulturgut ersten Ranges", so Backhaus.

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