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Überraschung im Schweriner Prozess : Geständnis nach Laufhallenbrand

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Monatelang wies der 22-Jährige jegliche Schuld von sich. Im Prozess schwieg er. Aber die beiden Verteidiger wurden nicht müde, die Unschuld des Verdächtigen zu betonen. Gestern nun folgte im Gericht die Überraschung.

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erstellt am 30.Aug.2013 | 07:43 Uhr

Schwerin | Monatelang wies er jegliche Schuld von sich. Im Prozess schwieg er. Aber die beiden Verteidiger wurden nicht müde, seine Unschuld zu betonen. Es schien, als hätten sie dem 22-Jährigen tatsächlich geglaubt. Gestern nun - mehr als vier Monate nach Verhandlungsbeginn vor dem Schweriner Landgericht - die Überraschung: Der junge Angeklagte, nennen wir ihn Robert Müller, legt ein Geständnis ab. Ja, er habe den verheerenden Brand in der Schweriner Laufhalle gelegt. Blass wirkt er. Er habe die Nacht nicht geschlafen, erklärt Verteidiger Ralph Oliver Schürmann für seinen Mandanten, der auch diesmal schweigt. Der Rechtsanwalt ist es, der Roberts handgeschriebenes Geständnis verliest. Er wolle nicht länger weglaufen vor der Verantwortung und sich von großem Druck befreien, liefert der Angeklagte sinngemäß eine Begründung für seinen plötzlichen Mut zur Wahrheit. Vielleicht hat ihn das Ausmaß seiner Zündelei im Nachhinein doch erschreckt: Der Brand vom 24. März 2012 hatte die Trainingsstätte des Schweriner Olympiastützpunktes völlig zerstört. Die Halle musste abgerissen werden. Der Schaden wird auf über drei Millionen Euro geschätzt. An dem frühen Samstagmorgen hatten bereits neun Fußballer in der angrenzenden Mehrzweckhalle trainiert. Es war Glück, dass sie unversehrt blieben.

Robert Müller hat, wie er nun erklärt, die Party im angrenzenden "Achteck" am frühen Morgen als einer der letzten Gäste verlassen. Das zeigt auch eine Videoaufzeichnung der Diskothek. Er habe reichlich Alkohol getrunken sowie Haschisch und Amphetamine zu sich genommen. Statt zu seinem Fahrrad sei er durch die unverschlossene Tür in die Halle marschiert. "Ich weiß nicht, wa-rum", heißt es in seinem Geständnis. In einem Umkleideraum habe er zuerst eine Jacke angezündet, dann in der Laufhalle eine Kunststoffmatte der Stabhochspringer. Ein Motiv gibt er auch hierfür nicht an. Das Feuer habe sich rasend schnell ausgebreitet. Er sei in Panik geraten, zu seinem Rad gerannt und davongefahren.

So ähnlich hatte es die Staatsanwaltschaft bereits in der Anklage formuliert. Nur, dass sie auch von einem Motiv ausgeht: Robert Müller, der Polizei kein Unbekannter, habe in der Garderobe nach Diebesgut gesucht - und als er nichts fand, aus Frust Feuerteufel gespielt.

Im August 2012 vertraute sich Robert Müller einem Bekannten an, der das wiederum einem Kumpel erzählte, der schnurstracks die Polizei informierte. Das war im August. Erst im Oktober nahmen ihn die Ermittler fest, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft - und leugnete die Tat, bis gestern.

Nach dem Geständnis gab es vor Gericht einen prominenten Zeugen: Gerd Wessig, Hochsprung-Olympiasieger von 1980, heute Berater für Sport- und Freizeiteinrichtungen und im Sportclub in der Vereinsführung. Die von Experten auf einen Wert von rund 9000 Euro geschätzte Stabhochsprunganlage sei erst wenige Tage vor dem Brand angeschafft und in der Halle zwischengelagert worden. Vizeweltmeisterin Martina Strutz sollten beste Bedingungen für ihre Olympiavorbereitung geboten werden, erklärte Wessig.

Er war nun einer der letzten Zeugen in diesem Prozess. Die Richter strichen nach dem gestrigen Geständnis die Vernehmungs-Liste ordentlich zusammen. Sie müssen in den kommenden Prozesstagen entscheiden, ob Robert Müller den Brand fahrlässig oder mit Bedacht gelegt hat, was deutlich höher bestraft werden würde.

Das Urteil soll Mitte Oktober gesprochen werden. Bislang ist ein glückliches Ende nur für die Halle gewiss. Die Versicherung zahlt für den Neubau mit zwei 200 Meter langen Rundbahnen, sechs Sprintstrecken sowie modernen Sprunganlagen. Der Grundstein ist bereits gelegt. Im Frühjahr 2014 können, so die Hoffnung, die Leichtathleten am neuen Standort endlich wieder ihre Runden drehen.

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