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Geständnis im Prozess wegen Menschenraubs

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erstellt am 10.Okt.2012 | 08:15 Uhr

Rostock/Güstrow | Vor dem Rostocker Landgericht wurde gestern ein Prozess gegen die Güstrower Tina S. (21), Christian J. (26) und Siegfried Z. (37) sowie Christian St. aus Rostock wegen erpresserischen Menschenraubes, räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung eröffnet. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen zur Last, am 2. Oktober 2010 den 21-jährigen Christian M. bedroht und geschlagen und ihn in eine Wohnung in der Güstrower Südstadt verschleppt zu haben. Dort sollen sie erneut auf ihr Opfer eingeschlagen haben. Sie drückten eine brennende Zigarette in seinem Nacken aus und sollen die Herausgabe von Geld, Handys und einer Playstation für seine Freilassung verlangt haben. Das alles soll sich am helllichten Tage, mitten in Güs trow abgespielt haben. Ein bisher unbekannter Taxichauffeur wurde Zeuge des Geschehens.

Tina S., Angehörige der Bundeswehr mit Perspektive einer Zeitsoldatin im Sanitätsdienst, legte gestern ein Geständnis ab. Sie habe M. einige Monate vor dem 2. Oktober 700 Euro übergeben, damit er ihr Marihuana besorge. Aber er verschwand mit dem Geld und meldete sich nicht mehr. Am Nachmittag des Tattages hätte sie zufällig mit Christian St. und Christian J. an einem Getränkemarkt gestanden. Sie hatte sich gerade ein Taxi bestellt, um nach Hause zu fahren, als ein Pkw mit dem späteren Opfer vorbeifuhr. "Folgen Sie dem Wagen", hätten sie dem Taxifahrer befohlen. Als der Wagen vor ihnen hielt, sei sie zur Beifahrertür gelaufen. M. sei plötzlich herausgesprungen und losgespurtet, aber Christian St. hätte ihn erwischt. Danach seien sie mit dem Opfer, dem eine Kapuze über den Kopf gezogen worden war, ins Taxi gestiegen und zur Ospa-Filiale in Güstrow gefahren, wo Geld abgehoben werden sollte. Tina S. will im Taxi geblieben sein, während die Männer ihr damals 19-jähriges Opfer zum Automaten schleppten. Mit dem Geld klappte es nicht, weil das Konto nicht gedeckt war.

Mit dem Opfer seien sie daraufhin in die Südstadt zu Siegfried Z. gefahren. Dort wurde der junge Mann erneut von Christian St. geschlagen und gezwungen, seine Freundin Julia A. anzurufen, damit sie alles Geld zusammenkratzt und seine Playstation mitbringt. So sei es geschehen. 125 Euro hätte Christian St. bekommen und die Playstation hätte sie an sich genommen, gab Tina S. zu. Sie bestritt, ebenfalls geschlagen und dem Opfer die brennende Zigarette im Nacken ausgedrückt zu haben, wie behauptet wird.

Bei einer Hausdurchsuchung wurden die Playstation und die Handys des Opfers und seiner Freunde gefunden. Die Angeklagte zeigte sich nervös, als sie die Frage beantworten sollte, von wem sie die 700 Euro für den Drogenkauf hatte. Namen nannte sie nicht.

Das Opfer wurde gestern als Zeuge gehört. Es bestätigte im Wesentlichen die Angaben der Angeklagten, blieb aber dabei, dass Tina S. ihre brennende Zigarette auf ihm ausdrückte. Er habe auch ihre Füße küssen müssen, so der Mann. Zwei Männer hätten ihn abwechselnd geschlagen. Ob das die Angeklagten waren, konnte er nicht sagen. Christian Z. und Tina S. entschuldigten sich bei ihm.

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