zur Navigation springen

Identifizierung von Randalierern : Gesichtsscanner gegen Ultras

vom

Caffier will künftig durch Kameras mit Gesichtserkennung bei Heimspielen des FC Hansa Rostock die Sicherheit erhöhen. In Planung ist ein Pilotprojekt, das bei Erfolg auch in anderen Fußballstadien zur Anwendung kommt.

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2012 | 06:54 Uhr

Schwerin | Seine Amtszeit als neuer Vorsitzender der Innenministerkonferenz (IMK) begann Lorenz Caffier (CDU) gestern mit einem Paukenschlag. Er kündigte schärfere Einlasskonrollen mit modernster Technik bei Heimspielen des Zweitligisten Hansa Rostock an. Das Innenministerium wolle dem Verein damit helfen, seine Sicherheitsprobleme in den Griff zu bekommen. Erst vor vier Wochen mussten die Rostocker Kicker im Ostderby gegen Dynamo Dresden nach einer Entscheidung des Deutschen Fußballbundes vor leeren Rängen spielen, weil zuvor im Spiel gegen St. Pauli Pyrotechnik abgefeuert worden war.

Um solche Ausschreitungen künftig zu verhindern, will Caffier bei Heimspielen der Hanseaten Kameras mit Gesichtserkennungs-Software zum Einsatz bringen. In der englischen Premier League wird diese Technik bereits eingesetzt. "Unser Problem ist, dass Chaoten trotz Stadionverbots in die DKB-Arena gelangen", sagte Caffier. Die Kameras sollen in den Eingangsbereichen des Stadions biometrische Daten von Gesichtern aufnehmen, die dann automatisch mit Bildern aus der Hooligan-Datei verglichen werden. Die Kameras sollen in Verbindung mit personifizierten Eintrittskarten zum Einsatz kommen. Gespräche mit dem Landesbeauftragten für den Datenschutz seien geplant.

Das bestätigte Gabriel Schulz, Stellvertreter des Landesbeauftragten. "Wir stehen solchen Vorhaben grundsätzlich kritisch gegenüber", sagte Schulz. Eine Einschätzung könne man aber erst abgegeben, wenn Einzelheiten des Projektes vom Innenministerium dargelegt werden. Viele Fragen, wie beispielsweise die Speicherung der Daten, müsse genau geprüft werden, so der Datenschützer. Beim FC Hansa hielt man sich gestern mit Aussagen zu Caffiers Plänen zurück. Lorenz Kubitz, Leiter Medien und Kommunikation im Verein, sagte gegenüber unserer Redaktion: "Wir sind mit dem Innenministerium auch über dieses Vorhaben im Gespräch." Kommentieren wollte Kubitz die Pläne zum Einsatz des Gesichtsscanners gestern nicht.

Zudem will Caffier prüfen lassen, ob das Sicherheits- und Ordnungsgesetz, dass Befugnisse und Aufgaben der Landespolizei regelt, geändert werden muss, um das Vorhaben zu ermöglichen. "Ich gehe aber davon aus, dass dies nicht nötig ist", meinte der Minister. Die früher bekannten Hooligans würden durch so genannte Ultras abgelöst. "Diese Anhänger sind keine Fußballfans, sie haben es nur auf Krawall und Schlägereien abgesehen und stellen damit Polizei, Vereine und auch die Politik vor neue Herausforderungen", begründete Caffier seinen Vorstoß. Deswegen sei es nach Ansicht des Innenministers Lorenz Caffier erforderlich, neben den Maßnahmen aus dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) auch andere Möglichkeiten der Eindämmung dieses Gewaltphänomens zu prüfen.

Außerdem will Caffier die Videobeweisaufnahme bei Randale und beim Abfeuern von Pyrotechnik durch zusätzliche Technik verbessern.

Als Vorsitzender der Innenministerkonferenz kündigte Caffier ebenfalls gestern an, die Vorbereitungen für ein NPD-Verbotsverfahren voranzutreiben. Er ließ allerdings offen, ob noch in diesem Jahr der Antrag dazu vor dem Bundesverfassungsgericht gestellt wird. "Qualität geht vor Zeit. Wir müssen alles tun für ein erfolgreiches Verfahren. Denn wir wollen nicht mit einer weiteren Niederlage der NPD einen TÜV-Stempel mit auf den Weg geben", sagte der CDU-Politiker.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen