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Umfrage Gesundheitssystem : Gesetzlich Versicherte als „Patienten zweiter Klasse“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das zweigleisige Gesundheitssystem in Deutschland wird in Mecklenburg-Vorpommern von einer großen Mehrheit als ungerecht empfunden. In einer vom NDR in Auftrag gegebenen Umfrage gaben 67 Prozent der Teilnehmer im Land an, dass Versicherte gesetzlicher Krankenkassen als „Patienten zweiter Klasse“ behandelt würden. Das ist der höchste Wert aller fünf Nordländer. In Hamburg waren 50 Prozent der Ansicht, dass gesetzlich Versicherte gegenüber Privatpatienten benachteiligt sind.

80 Prozent der Befragten in MV waren zudem der Überzeugung, dass ärztliche Entscheidungen zu sehr von finanziellen Aspekten beeinflusst werden. Kritischer als die Umfrageteilnehmer in den anderen vier Nordländern äußerten sich die Menschen im Land auch zur allgemeinen Gesundheitsfürsorge. Nur 61 Prozent kamen zu dem Schluss, dass das Gesundheitssystem eine hochwertige Versorgung für alle Patienten bietet, die Bedarf haben. Im norddeutschen Schnitt waren 72 Prozent grundsätzlich mit der medizinischen Versorgung zufrieden. Der Blick in die Zukunft fällt allerdings auch insgesamt skeptisch aus. Nur 21 Prozent erwarten für die kommenden 10 bis 20 Jahre verbesserte Leistungen, 41 Prozent meinen, dass die Versorgung schlechter wird.

Nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes gibt es keine stichhaltigen Gründe dafür, dass sich Kassenpatienten im Land zurückgesetzt fühlen müssen. Nur wenige Prozent der Menschen in MV seien privat versichert. „Das sind nicht so sehr viele, die man bevorzugen könnte“, sagte Verbandsvize Dieter Kreye. Zudem hätten Ärztekammer und gesetzliche Krankenkassen Vereinbarungen getroffen, durch die bei dringendem Behandlungsbedarf Kassenpatienten in MV innerhalb weniger Tage einen Facharzttermin erhielten. Wer häufig einen Arzt aufsuche, setze sich ohnehin der Gefahr einer „Über- oder Fehlversorgung“ aus. „80 Prozent der Beschwerden sind nach einer Woche wieder weg.“

Nach Angaben des Statistischen Amtes waren 2011 rund 105 000 Menschen in MV privat versichert. Das waren rund 6 Prozent der Einwohner. Bundesweit liegt der Anteil bei 11 Prozent.  

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