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Steinmetzmeister in Lübz : Gesellenstück schmückt Sanssouci

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Die Brüstungsmauer von Schloss Sanssouci hat durch Jan Langschwager eine aus Sandstein gefertigte, etwa 1,40 Meter hohe Schmuckvase zurückbekommen - sein kritiklos angenommenes Gesellenstück von 1984.

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erstellt am 07.Aug.2012 | 10:27 Uhr

lübz | Wo sie genau steht, weiß er heute zwar nicht, aber sicher ist: Die Brüstungsmauer von Schloss Sanssouci hat durch ihn eine aus Sandstein gefertigte, etwa 1,40 Meter hohe Schmuckvase in Form einer Amphore zurückbekommen - sein kritiklos angenommenes Gesellenstück von 1984.

Mit 16 beginnt Jan Langschwager "Steinmetz mit Restaurierung und Denkmalpflege" bei einem Bildhauer in Röbel zu lernen, drei Jahre später gehört er zum Team der Firma seines Vaters Erich, 1933 von wiederum dessen gleichnamigem Vater gegründet. Seit acht Jahren ist der gebürtige Plauer Chef. Fest steht: So nichts Unerwartetes einen Strich durch die Rechnung macht, wird Sohn Alexander (25) die Familientradition weiterführen.

Kürzlich wandte sich die gegenwärtig mit der Sanierung des denkmalgeschützten Herrenhauses Steinhorst im Landkreis Lüneburg beschäftigte Firma "Lübzer Klinkerbau" mit dem Anliegen an Langschwager, ein in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschaffenes Familienwappen aus Sandstein - rund einen Meter hoch, 80 Zentimeter breit und drei Zentner schwer - zu restaurieren. Neben diversen, auf das hohe Alter des Kunstwerkes zurück zu führenden Beschädigungen stand für den Lübzer schnell fest, dass ein gut fünf Zentimeter breites Loch keine natürliche Ursache hat. "In einem Gespräch erfuhr ich, dass der einstige Besitzer des Hauses ein Freund von Uwe Barschel gewesen sein soll. Sie sollen den Erzählungen zufolge mit einem Gewehr auf das Wappen geschossen haben", berichtet er. So verlor der darauf verewigte Löwe zunächst sein rechtes Bein, das nun in der Werkstatt mit Steinersatzmasse nachmodelliert wird. Ein anderes, gänzlich verschwundenes Steinstück hat Alexander Langschwager zunächst grob nachgeformt wieder aufgesetzt und dann fein ausgearbeitet. Die Restaurierung dauerte insgesamt eine Woche.

Jan Langschwager hat Hochachtung vor der Leistung seiner Vorfahren: "Das alles ist fachlich hoch qualifiziert, weil durchweg von Hand geschaffen. In eine CNC-Maschine einprogrammieren und hinten fällt alles fertig raus - so etwas gab es nicht einmal ansatzweise." Zwar müssten Lehrlinge auch heute noch die Steinbearbeitung von Hand lernen, aber die Verlagerung auf letztlich rein maschinelle Fertigung zeichne sich ab. "Nur aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet ist Handarbeit vielfach zu aufwändig", sagt der 47-Jährige. "Aber das sollte nicht alles sein, denn sonst sind viele Fertigkeiten irgendwann für immer verloren." Egal, ob Marmor, Granit oder Sandstein - der Handwerksmeister mag alle gleich gern, hat eigener Aussage zufolge keinen Liebling. In seinen Geschäftsräumen sind alle als unzählige Proben in verschiedenen Farben, Größen und Verarbeitungen zu sehen: "Alles von der Natur geschaffene Unikate und daher faszinierend, nichts ist gleich."

Die Steine kommen heutzutage als Blöcke aus der ganzen Welt in der Regel zunächst nach Italien, wo es große Erfahrungen gibt, werden dort zu mehrere Zentimeter starken, oft rund sechs Quadratmeter großen Platten aufgesägt und dann zur Weiterverarbeitung exportiert.

Grabsteine lautet fast überall die Antwort auf die Frage, mit was sich Steinmetze beschäftigen. ,Auch’ wäre der richtige Zusatz, der nicht fehlen darf. Jan Langschwager und seine beiden langjährigen, schon bei seinem Vater arbeitenden Angestellten erschaffen unter anderem Treppen, Küchenarbeitsplatten, Fensterbänke und selbst entworfene Waschtische, für die Waschbecken ein viel zu profaner Ausdruck wäre. Ein Beispiel steht im Flur des Betriebes. "Selbstständig zu sein bedeutet nicht die grundsätzlich große Freiheit und dass das Geld vom Himmel regnet, wie manche meinen", so der Lübzer. "Es bedeutet, für alles selbst verantwortlich zu sein und ständig auf neue Trends zu reagieren und sich mit neuen Techniken zu beschäftigen. Merklich rückläufig war das Geschäft zum Beispiel vor rund zehn Jahren, als es hieß: ,Geiz ist geil’. Da wurde eine Treppe nicht mehr mit Stein, sondern lieber mit polnischer Kiefer gebaut. Der Trend geht wieder zum Individuellen und da kommt man an Naturstein nicht vorbei."


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