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CDU-Stimmungstest in Grimmen : Geschlossen hinter Merkel?

vom
Aus der Onlineredaktion

Erster Stimmungstest im Wahljahr: Heute will die Parteibasis die Kanzlerin in Grimmen als Bundestagskandidatin nominieren

Die Kreidefelsen auf der Insel Rügen stehen noch, die Werftenkrise nach der spektakulären Pleite der P+S-Werft in Stralsund scheint mit dem Verkauf an die malaysische Genting-Gruppe beendet, der Tourismus in Vorpommern fuhr 2016 Rekordergebnisse ein: Es gibt ausreichend Gründe für eine Erfolgsbilanz, die die Christdemokraten im Merkel-Wahlkreis mit Gelassenheit ins Bundestagswahljahr 2017 starten lassen könnte.

Doch seit der Landtagswahl im September, bei der die AfD in MV nach der SPD mit 20,8 Prozent das zweitbeste Ergebnis einfuhr und die CDU auf Platz drei verwies, sind die Christdemokraten in ihrer Hochburg Vorpommern, der politischen Heimat von Kanzlerin Merkel, sensibilisiert.

Die AfD schickte hier am vergangenen Wochenende ihren Landeschef Leif-Erik Holm ins Rennen um das Direktmandat: „Das Jahr 2017 ist nicht mehr das Merkel-Jahr 2013“, verkündete Holm vollmundig bei seiner Nominierung. Holm hat sich vorgenommen, am 24. September der Kanzlerin das Direktmandat im Wahlkreis 15 abzunehmen. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren kam Merkel auf 56,2 Prozent der Erststimmen.

Heute stellt sich die CDU-Bundesvorsitzende einem ersten Stimmungstest an der vorpommerschen Basis. Im Grimmener Kulturhaus soll Merkel erneut zur Direktkandidatin gekürt werden. Dass dies passieren wird, daran gibt es keine Zweifel. Offen ist jedoch, ob die Mitglieder mit derselben demonstrativen Geschlossenheit hinter Merkel stehen, mit der sie die Parteichefin vor vier Jahren nominierten.

Damals erreichte Merkel ein Stimmergebnis von 100 Prozent.  „Wenn  es  jetzt 95 oder 98 Prozent werden, dann ist das ein sehr großer Vertrauensbeweis“, sagt CDU-Kreisvorsitzender Harry Glawe. Er sieht die Reihen der CDU hinter Merkel geschlossen. Der Kreisverband Vorpommern-Rügen habe mit 1050 Mitgliedern eine stabile Entwicklung.

Austritte wegen Merkels Kurs in der Europa- und Flüchtlingspolitik? „Wir hatten kaum Austritte und die halten sich mit den Eintritten die Waage“, sagt Glawe.

Dennoch haben die bundespolitischen Themen auch die vorpommersche CDU-Basis nicht kalt gelassen. Der Ortsverband Grimmen hatte Ende 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegungen in einem kritischen Brief an Merkel vor der Entstehung von Parallelgesellschaften gewarnt. In einem Gespräch vor Ort konnte Merkel diesen Konflikt befrieden. Der Greifswalder Unions-Politiker Sascha Ott kritisierte nach dem desaströsen Landtagswahlergebnis der CDU „den Drang der Partei in die Mitte“ und gründete den landesweit ersten konservativen Kreis. Allein aus seinem Ortsverband sitzen drei ehemalige CDU-Mitglieder inzwischen für die AfD im Landtag.

Der pensionierte Landrat von Nordvorpommern, Wolfhard Molkentin, der 1990 der damals 36-jährigen Vize-Regierungssprecherin der letzten DDR-Regierung den Weg in den Bundestag und damit in eine beispiellose politische Karriere ebnete, sieht auch 2017 keine Alternative zu Merkel und ihrem proeuropäischen Kurs. „Ich hoffe, dass die Bürger zur Bundestagswahl dem populistischen Gerede der AfD nicht folgen“, sagt der 77-Jährige. Den Grund für den Schwenk der Wähler zur AfD sieht der frühere Kommunalpolitiker auch in der materiellen Unzufriedenheit. „Wenn wir über viele Jahre nicht über 20 Prozent Arbeitslosigkeit gehabt hätten, wäre das Bild sicher heute ein anderes“, sagt Molkentin.

In der CDU Vorpommerns ist man um Geschlossenheit bemüht. Trotz der Kritik der Parteirechten am Kurs der Bundes-CDU unter Merkel kann sich die Kanzlerin der Unterstützung der Konservativen sicher sein.

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