Jugendgeschichtstag : Geschichte zum Anfassen

„Upcycling zu Omas Zeiten“: Taraneh Sanai (10), Lucy-Marie Müller (10) und Jakob Antenen (11) zeigten, wie alte Stoffen und Materialien genutzt werden können. Fotos: sophie stange
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„Upcycling zu Omas Zeiten“: Taraneh Sanai (10), Lucy-Marie Müller (10) und Jakob Antenen (11) zeigten, wie alte Stoffen und Materialien genutzt werden können. Fotos: sophie stange

Mehr als 130 Kinder und Jugendliche nahmen am zehnten Jugendgeschichtstag in Schwerin teil

Wie wurde eigentlich nach der Wende die erste Stadtverwaltung in Schwerin gewählt? Welche Träume und Hoffnungen hatte die junge Generation in der Wendezeit und was hat damals eigentlich genau gerockt? Diese und viele weitere Fragen gingen mehr als 130 Kinder und Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern seit einem halben Jahr nach: Sie präsentierten ihre Ergebnisse gestern beim zehnten Jugendgeschichtstag im Schweriner Schloss.

So erwartete die Teilnehmer und Besucher neben Präsentationen, Plakaten und Filmen auch eine Tanzperformance, die geschichtliche Zeitsprünge durch Schwerin darstellte. Getanzt wurde dabei nicht nur auf einer Bühne, sondern auch durch das Schloss – ausgehend von der Mamortreppe bis in den Plenarsaal. „Die getanzte Wiedervereinigung“, beschrieb Dirk Siebernik, Koordinator der Zeitensprüngeprojekte in MV, die letzten Szenen des Tanzes und eröffnete damit die Projektmesse. Zeit, um sich die 26 Zeitensprünge-Projekte anzuschauen und sich diese von den Teilnehmern erklären zu lassen.

Die 15-jährige Christiane Dankert beschäftigte sich zusammen mit Dennis Gottschalk, 13, und Anika Peschel, 22, wie die Plattenbauten am Großen Dreesch entstanden sind. Sie führten dabei Interviews mit Zeitzeugen, stellten die ersten Gebäude in Modellbauten nach und drehten einen Film. „Ich wohne auf dem Dreesch, deshalb wollte ich wissen, wie es früher da mal ausgesehen hat“, sagte Christiane. Das Projekt wird vom Treffpunkt „Deja vu“ von der Arbeiterwohlfahrt unterstützt.

Auch die zehnjährigen Schülerinnen Lucy-Marie Müller und Taraneh Sanai sowie der elfjährige Jakob Antenen aus Rostock zeigten, was aus ihrer Projektarbeit zusammen mit dem Upcycling Atelier Rostock entstanden ist: Ein Kissen aus alten Stoffen, eine Eieruhr aus Plastikflaschen, die mit Sand gefüllt ist, und eine Mappe mit Interviews mit den Großeltern zum Thema „Upcycling zu Omas Zeiten“. „Es hat viel Spaß gemacht, diese Dinge zu basteln“, sagte Taraneh und zeigte stolz auf ihre gebastelte Tasche aus alten Stoffen.

Insgesamt wurden 26 Zeitensprünge-Projekte ausgestellt, die seit Jahresbeginn ihre Heimatregionen erforscht haben. „Die Bandbreite macht diesen Jugendgeschichtstag aus“, sagte Dirk Siebernik. „Von Projekten über Essgewohnheiten im Wandel der Zeit, über die NS-Zeit in Bad Doberan, Upcycling und die KZ-Gedenkstätte Wöbbelin. “

Initiiert wurde die Veranstaltung von der Stiftung Demokratische Jugend aus Berlin. Zudem wurde der Jugendgeschichtstag vom Sozialministerium und dem Landesjugendring in MV unterstützt. Für die Umsetzung der Projekte konnte eine Förderung bis zu 1250 Euro beantragt werden, um die Recherchearbeiten und die Dokumentationen der Ergebnisse zu finanzieren.

Seit 2004 haben laut Angaben der Veranstalter bisher 4500 Kinder die regionale Geschichte im Nordosten erforscht. „Es wird auch im nächsten Jahr einen Jugendgeschichtstag geben“, versicherte Dirk Siebernik zum Abschluss.

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