Museumsreifes Plastik : Geschichte in 30.000 Tüten

Sammler Dieter Luchs mit einer Rarität der Filmfabrik Wolfen aus seiner 30000 Stücke großen Tüten-Sammlung
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Sammler Dieter Luchs mit einer Rarität der Filmfabrik Wolfen aus seiner 30000 Stücke großen Tüten-Sammlung

Dieter Luchs hat über 40 Jahre lang Kunststofftaschen aus Ost und West gesammelt, die er jetzt ausstellen will

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14. August 2015, 12:00 Uhr

Glatt auf eine Wäscheleine aufgehängt, bringt die Sommersonne Farben und Motive der dünnen Folien zum Leuchten. Seit 40 Jahren begeistert sich Dieter Luchs für bunt bedruckte Kunststoff-Beutel aus West- und Ostdeutschland. Bis heute hat er rund 30 000 solcher Tragetaschen gesammelt. Jetzt plant der 75-Jährige, der in Schloss Holte-Stukenbrock (Nordrhein-Westfalen) sowie in Bützow (Landkreis Rostock) lebt, in seiner Mecklenburger Geburtsstadt ein Plastiktüten-Museum. „Das ist mein Lebenstraum“, sagt der gelernte Schriftsetzer.

In den vergangenen Jahren wurden Teile seiner Sammlung bereits ausgestellt, 2007 und 2014 auch in Bützow. Die ältesten Stücke der historischen Kollektion stammen aus den 1960er Jahren. Mit der Gründung von Selbstbedienungsläden und später von Supermärkten verdrängten haltbare Plastikverpackungen die alten Papierhüllen, erklärt Luchs. Raritäten seien die etwa 300 Plastikbeutel aus früherer DDR-Produktion. Sie wurden einst für den gesamten Osten und den Export im Verpackungsmittelwerk Schwerin  sowie in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) hergestellt. Bei seiner außergewöhnlichen Sammlung hat Dieter Luchs wesentliche Unterschiede zwischen Ost- und Westtüten festgestellt. DDR-Plastikbeutel, stets im selben, mehr als DIN A3 großen Format, wurden einst zigfach gebraucht und waren nicht nur einfache Wegwerftaschen. „Sie waren kostbar und rar, und man hat sie auch häufig verwendet.“

Aus Kostengründen seien sie meist nur einseitig bedruckt gewesen - doch dafür hätten es die Motive in sich gehabt. Der Clou der DDR-Tüte sei ihre künstlerische Gestaltung, meint der Sammler. „Die sind nicht einfach nur bunt, sondern man merkt, dass dort ein Grafiker gesessen hat im Atelier, der sich viele Gedanken gemacht hat.“ Auf DDR-Tüten fanden sich Botschaften von staatlichen Ereignissen und Jubiläen, volkseigenen Betrieben, der Polizei oder Tiergärten, Sportvereinen oder dem Staatszirkus. Auch Stadtansichten und -wappen waren abgebildet.  Praktische Verwendung fand die „Matroschka“-Tüte der damaligen Gesellschaft für Deutsch-Sowjetisch Freund-schaft (DSF), wie ihm eine Lehrerin erzählte. In der in Schulen verteilten Folientasche wurde oft  Sport- und Schwimmzeug getragen.

Eine der wenigen, die sich mit der Gestaltung der DDR-Plastikbeutel auskennt, ist die freiberufliche Malerin Ina Fenske aus Lübeck. Die heute 56-Jährige arbeitete ein Jahr vor der Wende im damaligen Verpackungsmittelwerk Schwerin in der gerade modernisierten Tütenproduktion. Sie zeichnete per Hand die Druckvorlagen für die Dreischichtfolien, aus denen Tragetaschen für den Export nach Westdeutschland, Dänemark und in die Schweiz hergestellt wurden. Anfang der 1990er Jahre ging das Werk nach über 20 Jahren Plastiktüten-Produktion an eine Druckerei in Rheinland-Pfalz und wurde geschlossen.

Fürsprecher für sein Plastikbeutel-Museum findet der Sammler Luchs in Bützow.

Die Leiterin des Stadtmuseums „Krummes Haus“ in der Altstadt, Sabine Prescher, kann sich sogar eine Dauerausstellung zur Geschichte der Verpackungstüte in der Kleinstadt gut vorstellen.

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