Nossentiner-Schwinzer Heide : Gesattelt im Walde willkommen

Die idyllische Landschaft des Reviers Jellen lässt sich aus dem Sattel bequem entdecken. Foto: Bernd Möschl
Die idyllische Landschaft des Reviers Jellen lässt sich aus dem Sattel bequem entdecken. Foto: Bernd Möschl

Das idyllische Dörfchen mitten im Wald des Naturparks ist mit dem Auto nur über einen einzigen schmalen Fahrweg zu erreichen. Reiter und Radfahrer jedoch können bequem ein ganzes Netz gut ausgebauter Waldwege nutzen.

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12. Juni 2012, 05:25 Uhr

Jellen | Das idyllische Dörfchen mitten im Wald des Naturparks Nossentiner-Schwinzer Heide ist mit dem Auto regulär nur über einen einzigen schmalen Fahrweg zu erreichen. Reiter und Radfahrer jedoch können bequem ein ganzes Netz gut ausgebauter Waldwege nutzen. Allein zehn Wege-Kilometer haben Jellens Revierförster Jörg Schröder und seine Mitarbeiter seit Jahresbeginn speziell für diese mit umweltfreundlicher Muskelkraft mobilen Waldbesucher hergerichtet. Nachdem erste Radler-Gruppen schon um Himmelfahrt die idyllische 20-Minuten-Verbindung zwischen dem Kurort Krakow am See und dem Klosterdorf Dobbertin testeten, freuen sich die Forstleute des gesamten Forstamtsbereichs Sandhof zu Pfingsten auf einen regelrechten Ausflugs-Saisonstart.

Wer von seinem Wohn- oder Urlaubsort zu Fuß die abwechslungsreiche Naturpark-Landschaft erkundet, schafft meist nur einen kurzen Rundkurs und ist auch (mit Ausnahme extra ausgewiesener Naturschutzgebiete) nicht unbedingt auf Waldwege beschränkt. Reiter hingegen bewegen sich mit ihren Pferden - soll es für Mensch und Tier erholsam bleiben - kaum weiter als fünf Kilometer weg von Stall und Quartier, wie sie beispielsweise in Alt Sammit geboten werden.

Das hat Förster Schröder in den 20 Jahren seiner bisherigen Dienstzeit hier im Revier Jellen erkannt und auch, dass Reiter in der Regel überhaupt keine Schäden hinterlassen, wenn sie die angebotenen Reitwege nutzen. Diese werden von den Forstleuten nämlich extra gemulcht, also an der Oberfläche aufgelockert und von störenden Wurzeln, Ästen und größeren Steinen befreit. Teilweise sind diese speziellen Streifen unmittelbar parallel oder in kurzem Abstand zu den Radwanderwegen angelegt. Letztere wiederum tragen hier seit Neustem eine Oberfläche aus klein gebrochenem Naturstein, die rasch abtrocknet, wenig Staub aufwirbeln lässt und den Gummireifen der Radfahrer sicheren Grip gibt. Klagen darüber, dass sich etwa Reiter und Radfahrer auf diesen kombinierten Wanderwegen ins Gehege kämen, haben weder Jörg Schröder noch seine Försterkollege in den Nachbarrevieren je vernommen. Und das Wild ließe sich durch die ohne Lärm Durchreisenden auch nicht stören.

"Die Schwinzer Heide ist ein kleines Paradies!", meinen sie übereinstimmend, ohne zu verhehlen, dass Forstleute vieler Generationen daran entscheidenden Anteil hatten und haben. Und zwar seit 1791, als im Auftrag des Klosters Dobbertin so genannte Zapfensaat auf weiten Flächen der ursprünglichen von Besenheide (Calluna vulgaris) und niedrigem Buschwerk dominierten Hügellandschaft ausgebracht wurde. Ein knapp 24 Hektar umfassendes Areal, das Naturwaldreservat Jellen, zeigt noch heute Reste von jenem damals erstmals aufgeforsteten Kiefernbestand mit mittlerweile über 200-jährigen Bäumen, die sogar dreifache Harzgewinnung zu DDR-Zeiten offensichtlich prima überstanden haben. Dazwischen versprühen immer wieder stattliche Wacholdergruppen und natürlich gewachsene Laubbäume Urwüchsigkeit, die auch von zahlreichen seltenen Tierarten geschätzt wird. Förster Schröder weiß nicht nur den stattlichen Seeadler oder streng geschützte Fledermäuse zu nennen, sondern auch die Hohltaube und jene in hoch liegenden Baumhöhlen brütende Entenart, welche dem Revier vor Kurzem mediale Aufmerksamkeit bescherte. Da hatte nämlich ein Fernseh-Team gerade seine Kameras scharf gemacht, um die sprichwörtliche Wacholder-Heide ins rechte Licht zu rücken. Just bei Drehbeginn strecke nun eine der hierzulande äußerst seltenen Schellenten ihren Kopf aus einer Baumhöhle hervor, ließ sich in die Tiefe fallen und lockte von unten ihren Nachwuchs, es ihr gleich zu tun. Und tatsächlich wagte wenig später ein halbes Dutzend Entenküken die spektakuläre Nestflucht, landete unbeschadet auf dem federnden Waldboden und watschelte der Entenmutter hinterdrein zum nächsten Gewässer. Davon gibt es in Revier Jellen und seiner Nachbarschaft übrigens eine ganze Menge - sogenannte Sölle und kleine Seen - welche die Eiszeit vor 17 000 Jahren durch abgetaute Toteisblöcke zwischen den Moränenhügeln hinterlassen hat.

Das gesamte Forstamt Sandhof mit seinen sechs Revieren, zuständig für 17 000 Hektar der waldreichen Schwinzer Heide, hält nach Auskunft seines Leiters Frank Zerbe ein insgesamt fast 200 Kilometer langes Netz aus gut beschilderten Reit- bzw. Radwanderwegen vor, einschließlich origineller Rastplätze eigener Konstruktion.

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