Produktionsstart : German Pellets legt wieder los

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Nach der Insolvenz des Holzverarbeiters soll die Produktion nun wieder anlaufen.

svz.de von
03. März 2016, 21:00 Uhr

Beim insolventen Holzverarbeiter German Pellets in Wismar soll nach längerem Stillstand heute die Produktion von Brennstoffen wieder anlaufen. Zunächst seien die finanziellen Voraussetzungen dafür geschaffen worden, eine der Linien für Holzpellets anzufahren, sagte der Sprecher der vorläufigen Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde, Wolfgang Weber-Thedy, gestern in Schwerin. Zuvor waren die etwa 50 Produktionsarbeiter in Wismar wochenlang nur mit Lohnarbeit für einen Tierstreu-Händler und Aufräumarbeiten beschäftigt gewesen. Ihre Bezahlung durch Insolvenzausfallgeld von der Arbeitsagentur ist nur bis Ende März gesichert.

Der Neustart geht einher mit verstärkten Verkaufsbemühungen für das Unternehmen, das am 10. Februar Insolvenz angemeldet hatte. Die Interessentenliste umfasse bislang 122 Namen, sagte Weber-Thedy. Dazu zählten sowohl Finanzinvestoren als auch Industrieunternehmen aus der Branche. Ziel der Insolvenzverwaltung sei es, eine Gesamtlösung für die Firmengruppe mit Werken in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und MV zu finden. „Am besten wäre die Weiterführung des Unternehmens unter neuer Regie“, sagte Weber-Thedy.

Auf Beschluss des vorläufigen Gläubigerausschusses würden bei der Investorensuche zwei renommierte Beratungsunternehmen mit Sitz in Frankfurt/Main einbezogen. Wie viel Zeit dafür gewährt wird und wann die Entscheidung über eine Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens fallen soll, sagte der Sprecher nicht.

Die 2005 gegründete Firmengruppe mit zuletzt Standorten in Deutschland, Österreich, Belgien und den USA beschäftigte rund 600 Mitarbeiter, davon 150 in Wismar. Das Firmennetz zählte mehr als 20 Tochtergesellschaften. Dazu gehörte das erst im Januar gekaufte belgische Kohlekraftwerk, das aber Medienberichten zufolge kurze Zeit später aus dem Firmenvermögen an eine Wiener Gesellschaft weitergereicht worden sein soll.

German Pellets, nach eigenen Angaben einst weltweit größter Produzent und Händler von Holzschnitzeln zum Heizen, hatte seine Expansion maßgeblich mit Anleihen finanziert. Vermutlich weit mehr als 12 000 Menschen legten Geld in hoch verzinste Anleihen an, deren Kurs dramatisch eingebrochen ist, oder erwarben Genussscheine und -rechte. Die Firma steht bei Anlegern mit mehr als 220 Millionen Euro in der Schuld.

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