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Landwirtschaft MV : Geringe Flächenproduktivität in Agrarwirtschaft

vom
Aus der Onlineredaktion

In der Landwirtschaft könnten dreimal so viele Menschen arbeiten– wenn die Besitz- und die Anbaustrukturen andere wären.

Die Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns bringt einer Studie zufolge zu viele billige Massenprodukte wie Raps und Getreide auf den Markt und produziert zu wenig Hochwertiges wie Obst und Gemüse oder Blumen und Zierpflanzen. Das führe zu einer geringen Flächenproduktivität, sagte der Leiter des Lehr- und Forschungsbereichs Regionale Geografie an der Universität Greifswald, Helmut Klüter, gestern in Schwerin. Die Studie war von der Landtagsfraktion der Grünen bei ihm in Auftrag gegeben worden.

Die Produktivität je Hektar lag demnach 2015 bei 613 Euro und damit fast ein Drittel (31,7 Prozent) unter dem deutschen Durchschnitt von 898 Euro. Agrarminister Till Backhaus (SPD) wies die Einschätzung zurück. Die Grünen wollten die „romantisierende Mär einer kleinteiligen Betriebsstruktur“ aufrechterhalten.

Klüter zufolge verfügt MV über 8 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland, erzielt darauf aber nur 5,1 Prozent der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse. Eine Ursache dafür sieht er in den Großbetrieben, die in MV im Durchschnitt 287 Hektar haben, im Bundesschnitt nur 60 Hektar. Die Besitzstruktur sei „neofeudal“, viele Betriebe gehörten zur Agrarindustrie.

Für die Großbetriebe sei es sinnvoll, wenige Arbeitskräfte zu beschäftigen. Während es im deutschen Durchschnitt 3,1 Arbeitskräfte je 100 Hektar sind, seien es in Mecklenburg-Vorpommern nur 1,3. Bei einer anderen Agrarstruktur könnte das Land statt der rund 17 000 Menschen fast dreimal so viele in der Landwirtschaft beschäftigen.

Die Investitionen in die Landwirtschaft gehörten zu den niedrigsten, die Gewinne der Betriebe als Folge überhöhter Flächenprämien zu den höchsten in Deutschland. Eine Folge seien um 400 Prozent in zehn Jahren gestiegene Bodenpreise.

   Backhaus konterte, Mecklenburg-Vorpommern habe mit 45 660 Euro pro Arbeitskraft nach Sachsen-Anhalt bundesweit die höchste Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft. Große Einheiten lägen in der Historie des Landes begründet. Der eigentliche Strukturwandel der Landwirtschaft vollziehe sich in Westdeutschland. Dort nehme die Zahl der Betriebe unter 100 Hektar kontinuierlich ab, die Zahl der größeren wachse.

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