Projekttag Justiz : Gerichtstermin in der Schule

Eingesperrt auf Probe: Benjamin, Florian und Josefine (v.l.n.r.) im Gefängnisbus
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Eingesperrt auf Probe: Benjamin, Florian und Josefine (v.l.n.r.) im Gefängnisbus

Medienhaus:nord veranstaltete ersten „Projekttag Justiz“, um Schülern das deutsche Rechtssystem begreiflich zu machen

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29. Juni 2015, 20:45 Uhr

Freizeitarrest, 30 Arbeitsstunden und die Auflage, an einer Suchtberatung teilzunehmen. So lautet das Urteil für Claudia Möller. Die 17-Jährige hatte bei einer Geburtstagsparty einem Jungen in den Bauch getreten und betrunken randaliert. „Freizeitarrest bedeutet, Sie verbringen das Wochenende eingeschlossen in einer Zelle. Am Tag gibt es eine Stunde Hofgang, ein Buch zum Lesen können Sie mitnehmen“, sagt Jugendrichter Matthias Manke vom Amtsgericht Ludwigslust. „Das ist ein Warnschuss “, wendet er sich eindringlich an die junge Frau.

Auch wenn Richter Manke schon vielfach solch ein Urteil verhängt hat – diesmal war sein Richterspruch nur Teil eines Rollenspiels. Dies war ein spannender Programmpunkt beim gestrigen „Projekttag Justiz“ an der Eldetalschule in Domsühl bei Parchim. „Die Schüler der Eldetalschule haben uns eine Menge e-Mails mit Fragen zur Zeitung, zu Gerichtsberichten und zur Rechtsprechung geschickt. Das war für uns ein guter Anlass, unseren ersten ,Projekttag Justiz’ zu veranstalten. Das Projekt fand bei allen Partnern großen Anklang“, erläutert Max-Stefan Koslik, stellvertreternder Chefredakteur dieser Zeitung, das Anliegen des Schultages.

Unterstützung bekommen hatte der Zeitungsverlag vor allem aus dem Justizministerium MV. Auch der Verein „Jugendrechtshaus Schwerin“ war von der Idee begeistert und organisierte das Rollenspiel. „Es geht darum, den Schülern zu veranschaulichen, was in einem Gerichtssaal passiert, und darum, Rechtsverständnis zu vermitteln“, erklärt Katja Surminski, Vorsitzende des Vereins. So schlüpften neben Richter Manke auch Acht- und Neuntklässer in die Rolle von Angeklagten, Schöffen, Verteidigern und Zeugen.

Um den Schülern einmal das Gefühl des Eingesperrtseins begreiflich zu machen, reiste gestern außerdem der Gefängnisbus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Neubrandenburg nach Domsühl. In dem Vehikel werden normalerweise Strafgefangene von einer JVA zur anderen transportiert. „Ich finde es total eng hier drin. Es ist unangenehm und ich würde mich hier nicht wohlfühlen“, berichtet Josefine Haase (14), während sie sich in der winzigen Transportkabine umschaut – und diese schnell wieder verlässt.

„Die Schüler müssen verstehen, dass schon kleinere Delikte große Konsequenzen haben können“, betont Andrea Hanke, Leiterin der JVA Neubrandenburg. Für sie gehört die Aufklärung an Schulen deshalb dazu. Sie war selbst viele Jahre leitende Mitarbeiterin in der Jugendanstalt Neustrelitz und schilderte gestern anschaulich, wie es im „Jugendknast“ aussieht. Das – und der Blick in den Gefängnisbus kam bei den Jugendlichen offenbar an: „Ich finde es gut, so etwas erlebt man nicht alle Tage“, sagt der 15-jährige Benjamin Russke. Mitschülerin Julia Schulzky stimmt ihm zu. Einem weiteren Programmpunkt blickte die 14-Jährige mit Spannung entgegen: „Nachher kommt die Justizministerin – darauf freue ich mich besonders!“

Denn abschließend zum Projekttag stellte sich Justizministerin Uta-Maria KuderMaria Kuder (CDU) den Fragen der Acht- und Neuntklässlern: Was ist Recht, was ist Gerechtigkeit? Darf man sich zu Hause bei einem Angriff mit einer Waffe verteidigen? Warum bekommen nicht alle Straftäter lebenslange Haftstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung?

Diese Themen wurden heiß diskutiert. Justizministerin Kuder verwies in ihren Antworten auf unser Rechtssystem: Letztlich müsse jeder Einzelfall individuell in einem ordentlichen Gerichtsverfahren entschieden werden.

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